Ärzte Zeitung, 15.03.2010

Disput um Erstattung von Blutzuckerteststreifen

Wenn die Verordnung von Blutzuckerteststreifen für Patienten mit Typ-2-Diabetes, die nicht mit Insulin behandelt werden, aus der Erstattung gestrichen werden sollte, droht eine Verschlechterung der Versorgung.

Disput um Erstattung von Blutzuckerteststreifen

Blutzucker: Selbstkontrolle an der Fingerbeere. © medicalpicture

ELMAU (sto). Diabetiker, die kein Insulin spritzen, aber insulinfreisetzende Medikamente wie Sulfonylharnstoffe oder Glinide einnehmen, profitieren von einer regelmäßigen Blutzuckerselbstkontrolle, erklärte Dr. Bernhard Kulzer vom Forschungsinstitut der Diabetes Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) bei den 10. Elmauer Gesprächen von Roche Diagnostics. Denn die Blutzuckerselbstkontrolle sei für die Betroffenen die einzige Möglichkeit, das Risiko für Hypoglykämien zu reduzieren.

Sollte der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) eine Änderung der Arznei-Richtlinie mit einem Verordnungsausschluss für Harn- und Blutzuckerteststreifen bei nicht-insulinpflichtigen Diabetikern beschließen, so würde dies bedeuten, dass sich die Mehrheit der Diabetiker die Teststreifen entweder selbst beschaffen oder aber zur Kontrolle immer zum Arzt gehen müsste, erklärte Kulzer. Betroffen von einem Verordnungsausschluss wären außerdem Diabetiker mit eingeschränkter Nierenfunktion, Hypothyroidismus oder Leberschäden sowie Patienten, die bestimmte Antihypertonika einnehmen. Auch in diesen Fällen bestehe ein erhöhtes Hypoglykämierisiko, so Kulzer. Die Blutzuckerselbstkontrolle sei die einzig verlässliche Methode, um eine bestehende oder drohende Unterzuckerung festzustellen.

Grundlage der bevorstehenden Entscheidung im GBA ist ein Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dieser sei von vielen Experten scharf kritisiert worden, berichtete Kulzer. So sei die Gefahr von Hypoglykämien vom IQWiG stark unterschätzt und nicht angemessen berücksichtigt worden. Die Bedeutung der Selbstkontrolle für die Fahrtauglichkeit sei in dem Bericht überhaupt nicht angesprochen, obwohl das für die Patienten sehr wichtig sei.

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[11.03.2011, 18:44:55]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Googlen Sie mal "Blood Sugar Test Strips"...and you can say you to me!
...und Sie bekommen 758.000 Ergebnisse und werden Ihr Blaues Wunder erleben. Bei allen Treffern, selbst bei Wikipedia, werden Sie (un)sanft auf "Blood Glucose" hingewiesen.

Was der G-BA und peinlicherweise auch das IQWiG als "wissenschaftlichen Beweis" nimmt, dass Blut g l u c o s e messungen der Patienten selber bei Diabetes mellitus keinen Nutzen haben, lässt sich allein damit entkräften, dass bereits Metabolische Syndrome mit verringerter Glucosetoleranz und beginnender Insulinresistenz dedektiert werden können.

Und wenn die "Kollegen" des G-BA, der GKV-Kassen, der KBV und der BÄK zwischen dem Disaccharid Saccharose (Sucrose) und dem Monosaccharid Glucose zu differenzieren gelernt haben, kann ich nur Altbundeskanzler, Dr. jur. Helmut Kohl, zitieren, was Sie dann Alle dürfen:
"You can say You to me".

Freundliche, kollegiale Grüße, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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