Ärzte Zeitung, 17.12.2011

AstraZeneca und Kassen vor Preisverhandlungen

BERLIN (af). Am 23. Januar 2012 beginnen die Verhandlungen zwischen dem Arzneimittelhersteller AstraZeneca und dem GKV-Spitzenverband über den Erstattungspreis von Ticagrelor (Brilique™).

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am Donnerstag dem Thrombozytenakkumulationshemmer für bestimmte Patientengruppen einen "beträchtlichen" Zusatznutzen zugemessen und damit das erste Verfahren einer frühen Nutzenbewertung abgeschlossen. Damit läuft nun die Preisfindungsphase, die spätestens am 31. Juni 2012 abgeschlossen sein muss.

Der GBA ging bei seiner Entscheidung sogar über die Empfehlung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hinaus, indem er für weitere Patientengruppen einen Zusatznutzen feststellte, wenn auch einen nicht quantifizierbaren.

Dem Vertreter des GKV-Spitzenverbandes im GBA, Wolfgang Kaesbach, schwante, dass die Preisverhandlungen nicht einfach werden dürften. Zwischen "beträchtlich" und "nicht quantifizierbar" müsse "gemittelt" werden. Dies könne auch über Zuschläge geschehen.

Appell an den GBA

Über die Klassifizierung des Zusatznutzens herrscht Unsicherheit. Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Pharmaunternehmen (vfa), Birgit Fischer, nutzte die AMNOG-Premiere des GBA für den Appell an den GBA, gefestigte methodische Standards einzuführen.

Zufrieden mit dem Beschluss des GBA zeigte man sich der Hersteller AstraZeneca. Er sei besser ausgefallen als die ursprüngliche Bewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), sagte ein AstraZeneca-Sprecher der "Ärzte Zeitung".

Dadurch, dass der GBA bei über 75-Jährigen mit einer ganz bestimmten Indikation und bei Patienten mit einem Schlaganfall in der Krankengeschichte einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen gefunden habe, sei nun für rund 80 Prozent aller in Frage kommenden Patienten ein Zusatznutzen von Ticagrelor gegenüber den Vergleichstherapien festgestellt.

"Für den kleineren Teil der Patienten konnte im Verfahren selbst keine für alle Seiten befriedigende Lösung hinsichtlich der Vergleichstherapie gefunden werden", bedauerte Dr. Claus Runge, Vice President Corporate Affairs bei dem Unternehmen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »