Ärzte Zeitung, 26.02.2016

Krebskongress

Onkologen pochen auf Therapiefreiheit

Die bayerische Wirkstoffvereinbarung lässt beim Krebskongress aufhorchen: Onkologen kritisieren, dass unter dem Deckmantel AMNOG rationiert würde.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. Hämatologen und Onkologen warnen davor, die Erstattung onkologischer Arzneimittel davon abhängig zu machen, ob der individuelle Patient in die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) definierten Gruppen fällt, bei denen das Präparat einen Zusatznutzen hat. Das wurde nun beim Deutschen Krebskongress deutlich.

Konkreter Anlass für die Warnung ist die Wirkstoffvereinbarung, die zwischen der KV Bayerns und mehreren bayerischen Krankenkassen geschlossen wurde. Sie enthält die Vorgabe, dass Arzneimittel, die das AMNOG-Verfahren durchlaufen haben, nur in Anwendungsgebieten mit Zusatznutzen verordnet werden dürfen.

Für den niedergelassenen Hämatologen und Onkologen Dr. Robert Dengler aus Regensburg ist das nichts anderes als eine unzulässige Rationierung. Es werde eindeutig in die Therapiekompetenz des Arztes eingegriffen. In letzter Konsequenz könne das sogar das Leben des Patienten bedrohen. Onkologen sind Dengler zufolge zwingend darauf angewiesen, aus einem breiten Spektrum wirksamer Medikamente wählen zu können, um dem individuellen Patienten gerecht zu werden und die Möglichkeit zu haben, sequenziell zu therapieren.

Für den Berufsverband der niedergelassenen Hämatologe und Onkologen (BNHO) erinnerte dessen Vorsitzender Professor Stephan Schmitz an Versuche vor einigen Jahren, bei denen es darum ging, die Erstattung von Medikamenten, die off label eingesetzt werden, einzuschränken.

Die jetzigen Versuche, die Verordnungsfähigkeit von Medikamenten auf Basis des AMNOG-Verfahrens einzuschränken, seien letztlich eine Neuauflage dieses damals gescheiterten Ansinnens. Für Schmitz und den BNHO ist das AMNOG-Verfahren ein Prozess, der in erster Linie der Preisfindung bei neuen Medikamenten dienen sollte.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Asthma – oder nur zu dick?

Wenn keuchende, schwer übergewichtige Patienten in der Praxis über "Asthma" klagen, ist Vorsicht geboten. Denn oft sind die Symptome kein pneumologisches Problem. mehr »

Warum Patienten aggressiver werden

Dass Patienten Ärzte verbal angreifen und bedrohen, kommt in Deutschland immer häufiger vor. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vielerorts wappnen sich Mediziner in Praxen und Kliniken gegen die stärker aufkommende Gewalt. mehr »

So berechnen Ärzte den Wirtschaftlichkeitsbonus ihrer Praxis

Die Berechnung des Laborbonus ist nicht ganz einfach zu durchschauen. Aber wer sich damit beschäftigt, kann die Leistungen so zu steuern, dass der Bonus weitgehend erhalten bleibt. Unser Abrechnungsexperte gibt Tipps. mehr »