Ärzte Zeitung, 28.10.2009

Kommentar

Ein wirklich ganz schlechter Scherz

Von Christiane Badenberg

Wer ist denn nur auf diese dumme Idee gekommen? In Rheinland-Pfalz sollten alle Ärzte, die bereit waren, Patienten gegen die Schweinegrippe zu impfen, neun Euro Regress für jede angebrochene, aber nicht verbrauchte Impfdosis zahlen. Diese Regelung hatte die AOK, die im Auftrag der Kassen im Land die Vorbereitungen für die Impfaktion organisiert, den Ärzten in die entsprechenden Vereinbarungen geschrieben.

Glücklicherweise ist diese Regelung sofort zurückgenommen worden, nachdem sie öffentlich wurde. Im ärgsten Fall hätte sie nämlich bedeutet, dass sechs Euro Honorar 81 Euro Regress gegenübergestanden hätten. Zum Beispiel dann, wenn Patienten nicht erschienen wären, oder nach dem Beratungsgespräch, das nicht honoriert wird, ihre Meinung geändert hätten. Denn mittlerweile weiß fast jeder Laie, dass die einmal angebrochene Zehnerpackung nur 24 Stunden haltbar ist. Wie verrückt soll ein Arzt sein, der eine solche Vereinbarung unterschreibt?

Das Landesgesundheitsministerium hat nun zugesichert, die Kosten für die entsprechenden Impfdosen zu übernehmen. Eine kluge Entscheidung, denn alles andere wäre weder Ärzten noch der Bevölkerung vermittelbar gewesen.

Lesen Sie dazu auch:
Schweinegrippe: Protest gegen Regressandrohung erfolgreich
Protest gegen Regressandrohung erfolgreich
Viel Ärger zwischen AOK und KV in Rheinland-Pfalz

 


[29.10.2009, 10:20:18]
Margarita Moerth 
Wirtschaftlichkeit
Ich habe meinen Augen (bzw. meinem Verstand) nicht getraut, als ich den Kommentar von Frau Badenberg gelesen habe.
Wenn es den Tatsachen entspricht, dass besagter H1N1-Impfstoff nur im Zehnerpack mit 24-Stunden-Ablauffrist auf dem Markt ist, dann wundere ich mich nicht mehr über die Finanzkrise unseres Gesundheitssystems (da dies ja wahrscheinlich kein Einzelfall ist).
Leider keimt da der Verdacht, dass sich die Pharmaindustrie schon wieder einmal ein hübsches Körberlgeld verschafft. zum Beitrag »

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