Ärzte Zeitung, 03.11.2009

Valide Daten zu Ergebnissen von Hausarztverträgen erst ab 2010

Von Raimund Schmid

Ob Hausarztverträge die Versorgung verbessern, dafür gibt es bisher nur aus internationalen Studien Belege. Schnelle Daten aus Deutschland sind vorerst nicht in Sicht.

BAD ORB. In Deutschland liegen derzeit kaum valide Daten vor, ob Hausarztverträge zu einer qualitativ besseren und möglicherweise auch kostengünstigeren Primärversorgung führen.

Nach Auswertung internationaler Daten scheint dies aber der Fall zu sein, sagte Professor Ferdinand M. Gerlach, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, bei der practica 2009 in Bad Orb.

So gehe aus einer Meta-Studie, in der weltweit über 1000 Studien für das Sachverständigen-Gutachten ausgewertet worden waren, hervor, dass eine gute Primärversorgung durch qualifizierte Hausarztverträge gesundheitliche und ökonomische Vorteile bieten kann. Dabei habe sich herausgestellt, dass Hausärzte vor allem chronisch Kranke besonders gut versorgten. Kostenvorteile würden sich dann ergeben, wenn der Versicherte über den Hausarzt gut durch das System gelotst werde. Wie hoch die Kostenvorteile sind, könne derzeit aber nicht beziffert werden, da die internationalen Studien zu heterogen und nur bedingt auf Deutschland übertragbar seien.

Fakt sei, dass sich die in den Hausarztverträgen verankerten Qualitätszirkel zur Pharmakotherapie positiv auf die Qualität der Versorgung und die dabei entstehenden Kosten auswirken würden, so Gerlach. Mehr Erkenntnisse dazu werde das Arzneimittel-Modul des Hausarztvertrages in Baden-Württemberg liefern können, das fester Bestandteil der Vertragssoftware ist. Wichtig sind diese Daten vor allem deshalb, weil auf Dauer die höheren Honorare für die Hausärzte auch aus Ersparnissen bei den Arzneimittelversorgung refinanziert werden sollen.

Vor an diesem Punkt zu hohen Erwartungen warnte Eberhard Mehl, Hauptgeschäftsführer des Hausärzteverbands. Man werde vermutlich erst in zwei Jahren sicher belegen können, ob bei der Arzneimitteltherapie Kosten gesenkt werden können. Mitte 2010 werde man zunächst "belastbare Daten" vorlegen können, ob bei eingeschriebenen Versicherten die Check-up- und Impfquote gesteigert werden konnte. Eine stärkere Nachfrage dieser Vorsorgeleistungen durch Patienten ist für Mehl ebenfalls ein "Zeichen für mehr Qualität" in der Primärversorgung.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Neue Hausarztwelt hat Bewährungsfrist

[03.11.2009, 11:36:30]
Helmut Karsch 
Der Konjunktiv als Meßgröße
Prof. Gerlach wird zitiert un die Zitate sind alle im Konjuntiv gehalten. Kluger Mann, kann man nur sagen, denn es ist korrekt, dass die weltweit verfügbaren Daten nicht auf Deutschland übertragbar sind. Man könnte ja auch den Hausarztvertrag des Hausarztverbandes und der Barmer nehmen dessen Kosten-Nutzen-Analyse Jahre später nicht veröffentlcht werden. Wahrscheinlich aus gutem Grund. Alle diese Verträge müssen eins realisieren, sie müssen günstiger sein als die jetzigen Varianten und mehr an Qualität liefern. Bei allen diesen Verträge bisher: Fehlanzeige. Das nackte mandatieren eines Verbandes der die eigene Performance wie eine Montranz vor sich her trägt und lobt, ohne einen Beweis der Wirtschftlichkeit angetreten zu haben ist auf Dauer nicht ausreichend.
Auch wird es spannend sein wie das Capitationsmodell sich auf die Vollverträge auswirken wird. Die Schweizer haben jedenfalls die Zeichen der Zeit erkannt und diese Versorgungform eingestellt ohne die notwendigkeit eines Hausarztes zu schmälern.  zum Beitrag »

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