Ärzte Zeitung online, 05.09.2016

KV Brandenburg-Wahl

Gleich mehrere Listen buhlen um angestellte Ärzte

Eine kleine aber folgenreiche Änderung der Wahlordnung bringt viel Bewegung in den Brandenburger KV- Wahlkampf: Zwei konkurrierende Listen versuchen, die Gunst der angestellten Ärzte zu gewinnen. Wem gibt die begehrte Wählergruppe ihre Stimmen?

Von Angela Misslbeck

Gleich mehrere Listen buhlen um angestellte Ärzte

Erdbeben bei der KV-Wahl?: Eine Änderung der Wahlordnung wirbelt den Wahlkampf in Brandenburg auf.

© Bernd Settnik / dpa / lbn

POTSDAM. Bislang waren den angestellten Ärzten in Brandenburg drei Sitze in der KV-Vertreterversammlung automatisch garantiert. Diese Regelung hat die VV in der ablaufenden Legislaturperiode gestrichen. Nun steigen die angestellten Ärzte in den allgemeinen KV-Wahlkampf ein - und das gleich mit zwei Listen.

Diese Dynamik spiegelt das starke Wachstum dieser Ärztegruppe in Brandenburg. Waren 2010 bei der KV-Wahl erst 405 angestellte Ärzte wahlberechtigt, sind es jetzt mit knapp 900 mehr als doppelt so viele.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) tritt mit neun Kandidaten an. Prominentestes und zugleich VV-erfahrenstes Mitglied dürfte die Jüterboger Allgemeinmedizinerin Dr. Elke Köhler sein, die bei den Kammerwahlen stets für den Hartmannbund kandidiert hatte. Sie nimmt den letzten Listenplatz ein.

Doch um die Gunst der angestellten Ärzte in Brandenburg buhlt auch die "Kooperative Liste Brandenburg" mit der VV-erfahrenen Kinderärztin Dr. Anke Speth an der Spitze, die dem Bundesverband der Medizinischen Versorgungszentren (BMVZ) nahesteht.

KV-Chef tritt nicht zu VV-Wahl an

Mit dieser Konstellation kann die KV-Wahl in Brandenburg zu einem Testfeld für die künftige Interessensvertretung der angestellten Ärzte in der ambulanten Medizin geraten. In anderen KVen, wie etwa Berlin, kandidieren Mitglieder beider Organisationen auf einer gemeinsamen Liste.

Spannung gewinnt die Wahl durch ein weiteres Novum: Erstmals in der Geschichte der Brandenburger KV tritt KV-Chef Dr. Hans-Joachim Helming nicht zu VV-Wahl an.

Auf seinem Stammplatz an der Spitze der von Fachärzten dominierten Liste "Bündnis für Brandenburg" findet sich nun KV-Vize Dr. Peter Noack. Platz 2 hat VV-Präsident Dr. Torsten Braunsdorf inne.

Die Gerüchte um einen Rückzug Helmings brodeln seit Monaten. Doch der 62-jährige Gynäkologe aus Bad Belzig könnte auch ohne VV-Mandat für den Vorstand kandidieren. Eine offizielle Erklärung dazu steht aus.

Auch auf mehrfache Nachfrage äußert Helming sich nicht in eigener Sache. Ob wahltaktische Überlegungen dahinter stehen oder er eine Vorstandskandidatur vom Wahlergebnis abhängig machen will, bleibt Spekulation.

Sorge um Wahlbeteiligung

Bei der letzten Sitzung der Vertreterversammlung vor der Wahl im Juni dieses Jahres hatte Helming zu einer regen Wahlbeteiligung aufgerufen. Das sei wichtig angesichts der Bestrebungen der Politik, die ärztliche Selbstverwaltung immer enger zu kontrollieren.

Hintergrund dieses Aufrufes dürften nicht nur die Vorgänge um den Staatskommissar in der KBV gewesen sein, sondern auch die Sorge um einen weiteren Sinkflug der Wahlbeteiligung. Denn bei der KV-Wahl 2010 lag die Wahlbeteiligung in Brandenburg mit 55 Prozent rund zehn Prozentpunkte unter dem Wert von 2004.

Die Hausärzte in Brandenburg haben – wie schon bei der letzten KV-Wahl – zwei Listen zur Auswahl. Der Deutsche Hausärzteverband/Medi positioniert sich mit einigen etablierten VV-Mitgliedern vorsichtig vorstandskritisch.

Die starke Hausarztliste Brandenburg schickt mit Vorstandsmitglied Andreas Schwark als Spitzenkandidat und den Vorständen des Hausärzteverbands Brandenburg (HÄVBB) Dr. Johannes Becker und Dr. Hanjo Pohle erfahrene Berufspolitiker ins Rennen.

Generationswechsel

Neben diesen fünf großen Listen tritt mit Stephanie Zausinger eine 39 Jahre junge Einzelkandidatin aus dem Süden Brandenburgs an. Sie vertritt die Ziele des Südbrandenburger Ärztenetzes, das nach einigen Turbulenzen im Management von der KV Comm gemanagt wird.

Für die Wahlgruppe der Psychotherapeuten in Brandenburg kandidiert eine Liste der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV).

Wie auch immer die Wahl ausgeht, eines steht bereits fest: Nach 26 Jahren bahnt sich in der Vertreterversammlung der KVBB ein Generationenwechsel an. Viele bisherige VV-Mitglieder, die ihre Standesvertretung von Anfang an mitgestaltet haben, treten für die nächste Legislatur nicht mehr an.

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