Triage

Ärzte fordern Auflösen der Interessenkonflikte

Das Konzept einer sektorenübergreifenden Notfallversorgung stößt auf Zustimmung bei den Ärzten. Verbandsfunktionäre geben sich noch reserviert – und Kliniken und Kassen äußern gar deutliche Kritik.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Aus der Zentralen Notaufnahme soll das Integrierte Notfallzentrum werden, geht es nach den Vorstellungen des Sachverständigenrats.

Aus der Zentralen Notaufnahme soll das Integrierte Notfallzentrum werden, geht es nach den Vorstellungen des Sachverständigenrats.

© Jan-Peter Kasper / dpa

BERLIN. Wieder einmal geht ein Gesundheitsminister die Überwindung der Sektorengrenze an. Vehikel soll eine Fusion von ärztlichem Bereitschaftsdienst, der Notfallambulanzen in den Kliniken und des Rettungsdienstes sein. "Es ist wünschenswert, aus den Gräben zu kommen und zu einer starken gemeinsamen Position zu finden", sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) beim ersten öffentlichen Werkstattgespräch des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen am Donnerstag in Berlin.

Der Rat erstellt derzeit ein Gutachten zur Steuerung im Gesundheitswesen. Ein Kapitel wird die Notfallversorgung behandeln. Erste Empfehlungen sind, die Leitstellen zu integrieren sowie Integrierte Notfallzentren (INZ) als sektorübergreifende Anlaufstellen in den Kliniken einzurichten.

Die Gräben sind nach wie vor tief. Während die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – wie in der "Ärzte Zeitung" berichtet – längst mit dem Marburger Bund über Möglichkeiten einer einheitlichen Triagierung von Notfallpatienten verhandelt, verharrt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) im Schmollwinkel. Den Vorschlag der Gesundheitsweisen, die Notfallversorgung auf deutlich weniger Standorte als heute zu konzentrieren und sektorübergreifend auszubauen, kritisierte der DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum am Donnerstag mit deutlichen Worten: "Das ist starr, unlogisch und vom Gedanken geleitet, dass die KVen die Sicherstellung leisten sollen". Auch die Kassenseite äußerte Bedenken. Ein gemeinsamer Tresen im Krankenhaus sei gut, aber dafür brauche man keine neue Organisation, sagte der stellvertretende Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands Johann-Magnus von Stackelberg.

Bei einem Konzept der sektorübergreifenden Notfallversorgung könne es nicht bei der alleinigen Verantwortung der Kassenärztlichen Vereinigungen für die Sicherstellung bleiben, mahnte der Vorsitzende des AOK-Bundesverbands Martin Litsch am Donnerstag an.

Eine von Interessenkonflikten des stationären Sektors losgelöste Triage hat für Krankenhausärzte Charme. "Wir können uns um diejenigen Patienten kümmern, um die wir uns kümmern wollen", sagte die Gesundheitsweise Professorin Marion Haubitz. Professor André Gries, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, betonte die Vorteile einer Konzentration der Notfallzentren auf deutlich weniger Standorte als heute. Aus medizinischer Sicht sei es sinnvoller, die weiteren Wege hin zum Spezialisten zu gehen, als Krankenhäuser anzufahren, die nicht ständig auf Notfälle eingerichtet seien.

Mit einem Zehn-Punkte-Programm zur Notfallversorgung hat sich die Bundestagsfraktion der Grünen zu Wort gemeldet. Kernforderung ist eine sektorübergreifende Planung der Notfallstrukturen auf Landesebene. Die Länder sollen für den Aufbau eine Anschubfinanzierung leisten. Auch KVen sollen sich beteiligen können.

Lesen Sie dazu auch: Praxen länger öffnen: Gesundheitsweise wollen die Notfallversorgung aufmischen

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kommentar

Süß, süßer, Deutschland

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Die Pressekonferenz zum DKK 2026 mit zahlreichen Menschen auf dem Podium.

© Peter-Paul Weiler, berlin-event-foto.de

DKK 2026

Immuntherapie bei Krebs: Komplexe Kombinationen gefragt

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Blick in den Darm mit einem Krebsgeschwür.

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Gastrointestinale Tumoren

Magen-Darm-Krebs: Wirklich immer früher?

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Logo des 37. Deutschen Krebskongresses 2026

© Deutscher Krebskongress

Themenseite

Alles zum Deutschen Krebskongress