Ärzte Zeitung online, 10.10.2018

Apothekertag beginnt

Spahn denkt über Impfungen in Apotheken nach

Auf ein Rx-Versandverbot will sich Gesundheitsminister Jens Spahn beim Deutschen Apothekertag nicht festlegen lassen. Wegen möglicher Honorarausfälle könne er sich aber neue Aufgabenfelder vorstellen.

Von Christoph Winnat

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Am Mittwoch in München. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn begrüßt die Delegierten des Apothekertages 2018.

© Christoph Niekamp

MÜNCHEN. Mit Spannung war der Auftritt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Eröffnung des Apothekertages am Mittwoch in München erwartet worden. Würde der Minister den von der Branche lang ersehnten Plan zum Verbot des Rx-Versands – oder auch ungeliebte Alternativen dazu – bekannt geben? Oder hält er sich bedeckt, weil den Standesvertretern noch Zeit eingeräumt werden soll, eigene Vorschläge zu unterbreiten?

Darauf zumindest ließ nach Ansicht von Branchenbeobachtern die Tatsache schließen, dass kürzlich der Apothekerdachverband ABDA für Alternativpositionen zum Versandverbot die Beschlussfassungsfrist 5. Dezember genannt hatte.

Um es kurz zu machen: Letztere lagen richtig. Spahn erklärte, "kein fertiges Konzept" vorstellen zu wollen, "weil ich die Diskussion will". In den kommenden Monaten werde die Arzneimittelversorgung im Mittelpunkt seiner Gesetzesinitiativen stehen. Es bleibe dabei, so Spahn, dass man sich im Zuge dessen "auch das Versandhandelsverbot genau anschauen" wolle.

Allerdings bestünden nach wie vor rechtliche Bedenken gegen dieses Vorhaben. Man müsse deshalb "alles in den Blick nehmen, diesen nicht haltbaren Zustand zu beenden" – gemeint sind die ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen inländischen Apotheken, die keine Rezeptboni geben dürfen und ausländischen Versendern, denen das nicht zu verbieten ist.

Entgegenkommen in Honorarfragen?

Zwischen den Zeilen bestätigte Spahn, worüber zuletzt ausgiebig spekuliert wurde: dass nämlich die Apotheker durch ein Entgegenkommen in Honorarfragen oder auch neue Einkommensmöglichkeiten entschädigt werden für möglicherweise in begrenztem Umfang freizugebenden Preiswettbewerb im Rezeptgeschäft.

Auf jeden Fall gelte es, so der Minister, darüber nachzudenken, "was denn noch helfen kann, die flächendeckende Versorgung zu sichern". Er könne sich beispielsweise vorstellen, dass in Apotheken geimpft wird.

Spahn ließ durchblicken, dass auch noch über das Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums zum Apothekenhonorar – das einen jährlichen Honorarüberhang von einer Milliarde Euro konstatiert – zu reden sein wird. "Es liegt nun mal auf dem Tisch." Ein zusätzlicher Hebel, um den Apothekern Alternativen zum Rx-Versandverbot schmackhaft zu machen?

Spahn muss jeden Tag an Apotheker denken

Weitere Schwerpunkte der geplanten Reformen zur Arzneimittelversorgung seien die Themen Sicherheit – Qualitätskontrolle, Aufsicht und Haftungsrecht vor dem Hintergrund jüngster Pharmaskandale wie dem Valsartan-Rückruf oder der Affäre Lunapharm – Digitalisierung sowie die Reform der PTA-Ausbildung.

Punkten konnte der Minister bei den versammelten Delegierten des Apothekertags mit der Schilderung seiner Wohnsituation in der Hauptstadt. Er wohne direkt über einer Apotheke und sehe jeden Morgen und jeden Abend das rote A. Spahn: "Sie sehen, ich denke nur an Sie".

Kritik der Grünen

Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik der Grünen Bundestagsfraktion und bekennende Gegnerin des Versandverbots, kritisierte den Ministerauftritt umgehend: „Die Union führt die Apothekerschaft seit zwei Jahren an der Nase herum.“

Vor Wahlen mache man der Branche Hoffnung, anschließend passiere nichts. „Das erst vom ehemaligen Gesundheitsminister Gröhe versprochene und dann im Koalitionsvertrag festgehaltene Versandverbot verschreibungspflichtiger Arzneimittel wird nicht kommen.“

 Schulz-Asche bekräftigte ihre Vorschläge zur Unterstützung der Apothekerschaft, etwa die Aufwertung des Medikationsmanagements oder die Einrichtung eines Strukturfonds, der versorgungsrelevante Apotheken finanziell stützt.

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