Direkt zum Inhaltsbereich

Apothekertag beginnt

Spahn denkt über Impfungen in Apotheken nach

Auf ein Rx-Versandverbot will sich Gesundheitsminister Jens Spahn beim Deutschen Apothekertag nicht festlegen lassen. Wegen möglicher Honorarausfälle könne er sich aber neue Aufgabenfelder vorstellen.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:
Am Mittwoch in München. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn begrüßt die Delegierten des Apothekertages 2018.

Am Mittwoch in München. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn begrüßt die Delegierten des Apothekertages 2018.

© Christoph Niekamp

MÜNCHEN. Mit Spannung war der Auftritt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Eröffnung des Apothekertages am Mittwoch in München erwartet worden. Würde der Minister den von der Branche lang ersehnten Plan zum Verbot des Rx-Versands – oder auch ungeliebte Alternativen dazu – bekannt geben? Oder hält er sich bedeckt, weil den Standesvertretern noch Zeit eingeräumt werden soll, eigene Vorschläge zu unterbreiten?

Darauf zumindest ließ nach Ansicht von Branchenbeobachtern die Tatsache schließen, dass kürzlich der Apothekerdachverband ABDA für Alternativpositionen zum Versandverbot die Beschlussfassungsfrist 5. Dezember genannt hatte.

Um es kurz zu machen: Letztere lagen richtig. Spahn erklärte, "kein fertiges Konzept" vorstellen zu wollen, "weil ich die Diskussion will". In den kommenden Monaten werde die Arzneimittelversorgung im Mittelpunkt seiner Gesetzesinitiativen stehen. Es bleibe dabei, so Spahn, dass man sich im Zuge dessen "auch das Versandhandelsverbot genau anschauen" wolle.

Allerdings bestünden nach wie vor rechtliche Bedenken gegen dieses Vorhaben. Man müsse deshalb "alles in den Blick nehmen, diesen nicht haltbaren Zustand zu beenden" – gemeint sind die ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen inländischen Apotheken, die keine Rezeptboni geben dürfen und ausländischen Versendern, denen das nicht zu verbieten ist.

Entgegenkommen in Honorarfragen?

Zwischen den Zeilen bestätigte Spahn, worüber zuletzt ausgiebig spekuliert wurde: dass nämlich die Apotheker durch ein Entgegenkommen in Honorarfragen oder auch neue Einkommensmöglichkeiten entschädigt werden für möglicherweise in begrenztem Umfang freizugebenden Preiswettbewerb im Rezeptgeschäft.

Auf jeden Fall gelte es, so der Minister, darüber nachzudenken, "was denn noch helfen kann, die flächendeckende Versorgung zu sichern". Er könne sich beispielsweise vorstellen, dass in Apotheken geimpft wird.

Spahn ließ durchblicken, dass auch noch über das Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums zum Apothekenhonorar – das einen jährlichen Honorarüberhang von einer Milliarde Euro konstatiert – zu reden sein wird. "Es liegt nun mal auf dem Tisch." Ein zusätzlicher Hebel, um den Apothekern Alternativen zum Rx-Versandverbot schmackhaft zu machen?

Spahn muss jeden Tag an Apotheker denken

Weitere Schwerpunkte der geplanten Reformen zur Arzneimittelversorgung seien die Themen Sicherheit – Qualitätskontrolle, Aufsicht und Haftungsrecht vor dem Hintergrund jüngster Pharmaskandale wie dem Valsartan-Rückruf oder der Affäre Lunapharm – Digitalisierung sowie die Reform der PTA-Ausbildung.

Punkten konnte der Minister bei den versammelten Delegierten des Apothekertags mit der Schilderung seiner Wohnsituation in der Hauptstadt. Er wohne direkt über einer Apotheke und sehe jeden Morgen und jeden Abend das rote A. Spahn: "Sie sehen, ich denke nur an Sie".

Kritik der Grünen

Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik der Grünen Bundestagsfraktion und bekennende Gegnerin des Versandverbots, kritisierte den Ministerauftritt umgehend: „Die Union führt die Apothekerschaft seit zwei Jahren an der Nase herum.“

Vor Wahlen mache man der Branche Hoffnung, anschließend passiere nichts. „Das erst vom ehemaligen Gesundheitsminister Gröhe versprochene und dann im Koalitionsvertrag festgehaltene Versandverbot verschreibungspflichtiger Arzneimittel wird nicht kommen.“

 Schulz-Asche bekräftigte ihre Vorschläge zur Unterstützung der Apothekerschaft, etwa die Aufwertung des Medikationsmanagements oder die Einrichtung eines Strukturfonds, der versorgungsrelevante Apotheken finanziell stützt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kommentar

Das letzte Wort über die HzV ist noch nicht gesprochen

Klarstellung veröffentlicht

AOP-Katalog und Narkose-Leistungen: Wann die EBM-Abrechnung möglich ist

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

© Aitor Diago | Getty Images

Wer, wann, womit?

Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

Erste klinische Studie belegt Wirksamkeit des Herzpflasters

Münchner Aids- und Infektiologie-Tage

Chronische Hepatitis B: Heilung durch monoklonalen Antikörper?

Lesetipps
Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

© Porträt: privat | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

Spirometrie bei einem Mann.

© John Thys / Reporters / Science Photo Library

Änderungen aus dem GOLD-Update

Neues Vorgehen bei COPD: Proaktiv statt reaktiv!

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram