Ärzte Zeitung online, 28.08.2019

Ankündigung

Spahns nächste Baustelle wird die Klinik-Finanzierung

Jens Spahn hat eine pralle Gesetzes-Pipeline. Bei einem Besuch des Städischen Klinikums Dresden kündigte der Bundesgesundheitsminister an, dass die Finanzierung des stationären Sektors 2020 auf der Agenda steht – wenn die Koalition hält.

Von Sven Eichstädt

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Die Minister Barbara Klepsch und Jens Spahn beim Besuch des Städtischen Klinikums Dresden.

© Sven Eichstädt

DRESDEN. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will im kommenden Jahr die Finanzierungsgrundlage für Krankenhäuser überarbeiten.

Das kündigte der CDU-Politiker am Montag bei einem Besuch des Städtischen Klinikums Dresden zusammen mit der sächsischen Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) an. Am Sonntag wird im Freistaat ein neuer Landtag gewählt.

Die Finanzierung der stationären Versorgung stehe „auf meinem Plan für das nächste Jahr“. Er wisse allerdings nicht, „wie viel Zeit die SPD mir noch gibt in dieser Konstellation“.

Damit spielte er auf die für diesen Herbst angekündigte Halbzeitbilanz der SPD an. Dabei soll über einen Verbleib in oder Ausstieg aus der großen Koalition entschieden werden.

Stimmt die Richtung meiner Arbeit?

Beim Besuch des Klinikums in der Landeshauptstadt, einem Schwerpunktversorger mit etwa 1400 Betten und 3600 Mitarbeitern, stellten sich Spahn und Klepsch den Fragen von Krankenschwestern, Pflegern und Ärzten.

„Ich bin der glücklichste Gesundheitsminister der Welt, wenn Sie nach sechs oder zwölf Monaten sagen, die Richtung meiner Arbeit stimmt“, meinte Spahn, der seit März 2018 im Amt ist.

Auf die Frage, wo denn neue Pflegekräfte gewonnen werden könnten, warb Spahn dafür, dass Schwestern und Pfleger, die Teilzeit arbeiten, ihre Stundenzahl wieder erhöhen.

Ich bin der glücklichste Gesundheitsminister der Welt, wenn Sie nach sechs oder zwölf Monaten sagen, die Richtung meiner Arbeit stimmt.

Jens Spahn (CDU) Bundesgesundheitsminister, beim Gespräch mit Ärzten und Pflegekräften des Städtischen Klinikums Dresden

Außerdem möchte der Minister Pflegekräfte aus Ländern nach Deutschland locken, die über den eigenen Bedarf hinaus ausbildeten. „Ich will Rumänien nicht noch die letzten Pflegekräfte klauen“, fügte er an. Als Länder, die dafür infrage kämen, nannte Spahn das Kosovo, Mexiko und die Philippinen.

Spahn hatte kürzlich eigens eine Pflegeschule im Kosovo besucht, wo junge Kosovaren den Pflegeberuf auch mit der Perspektive erlernen, später in Deutschland zu arbeiten. „Aber aus dem Ausland kommen Pflegekräfte nicht deshalb nach Deutschland, weil es Deutschland ist“, so Spahn.

Nötig seien Arbeitsbedingungen in Kliniken, die für ausländische Pflegekräfte attraktiv seien. Es gehe darum, schnellere Gruppenverfahren für Visa und Anerkennungen für ausländische Abschlüsse zu erreichen.

Ärzteausbildung in Ungarn

Abschlüsse zum Beispiel einer bestimmten Pflege-Schule müssten pauschal anerkannt werden „und nicht für jeden einzelnen Absolventen neu“, forderte Spahn.

Eine Krankenschwester des Klinikums wies darauf hin, dass es in der Regel ein Jahr dauere, bis ausländische Pflegekräfte so eingearbeitet seien, dass sie den Arbeitsalltag ähnlich wie in Deutschland ausgebildete Kollegen bewältigen könnten.

Andere Herausforderungen gibt es beim Ärztenachwuchs. Landesministerin Klepsch rechnete vor, dass für jeden ausscheidenden Arzt statistisch 2,5 neue Ärzte gewonnen werden müssten.

Hintergrund dafür ist, dass viele junge Ärzte angestellt und in Teilzeit arbeiten. Klepsch nannte es „paradox, dass wir unsere deutschen Studenten in Ungarn ausbilden lassen und eine solche Krücke aufbauen müssen“.

Mehr Studienplätze in Pécs

Seit 2013 finanziert die KV Sachsen zusammen mit den Krankenkassen jährlich 20 Studienplätze im ungarischen Pécs, die Zahl soll vom kommenden Jahr an auf 40 verdoppelt werden. Dann fließen auch Gelder des sächsischen Gesundheitsministeriums in das Programm.

Die Studenten müssen sich dazu verpflichten, die Facharztweiterbildung nach dem Studium in Sachsen zu absolvieren und danach für mindestens fünf Jahre in einer ländlichen Region des Freistaats zu arbeiten.

Eine Psychotherapeutin des Klinikums warb dafür, wie wichtig es auch in der somatischen Medizin sei, dass Ärzte ausreichend Zeit für Gespräche mit Patienten haben. Indes würden Gespräche bisher viel zu schlecht vergütet.

Spahn entgegnete, er gehe davon aus, dass in den Fallpauschalen auch die Zeit „für ein gutes Gespräch“ eingepreist sei. Mehr Geld dafür schloss er aus.

„Bei Gesprächen haben wir die schlechteste Kontrollmöglichkeit“, so Minister. „Wie wollen wir prüfen, ob das Gespräch stattgefunden und wie lange es gedauert hat?“

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