Ärzte Zeitung, 14.09.2010

Großbritannien: Viel Geld in Beratung, wenig in Kliniken und Praxen

LONDON (ast). In Großbritannien werden offenbar trotz aller anderslautender Beteuerungen der Gesundheitspolitiker nach wie vor jährlich dreistellige Millionenbeträge für unnütze Managementberater ausgegeben. Dieses Geld fehlt nun in den Praxen und Kliniken.

Wie die Londoner Tageszeitung "Times" kürzlich unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise im britischen Gesundheitsministerium berichtete, verdreifachten sich seit 2006 die Ausgaben für externe Berater, die der staatliche Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) jährlich ausgibt. Einige der Managementberater verdienen laut dem Bericht täglich umgerechnet 1300 Euro oder noch mehr.

Im Jahr 2009 wurden laut "Times" knapp 400 Millionen Euro für externe Berater ausgegeben. Die Zeitung rechnete aus, dass mit diesem Geld entweder 10 000 zusätzliche Krankenschwestern und -pfleger hätten eingestellt werden können, oder die fachärztliche Versorgung aller Haut- und Lungenkrebspatienten im Königreich für ein Jahr hätte finanziert werden können.

"Das kuriose ist, dass viele dieser externen Consultants dafür bezahlt werden, Krankenhaus- und Gesundheitsverwaltungen Tipps zu geben, wie und wo Ärzte- und Pflegerstellen wegrationalisiert werden können", so eine Sprecherin der Krankenpflegergewerkschaft Royal College of Nursing in London zur "Ärzte Zeitung". Und: "Das ist eine Schande und ein gesundheitspolitischer Skandal!"

Der britische Gesundheitsminister Andrew Lansley versprach inzwischen, die lokalen Gesundheitsheits- und Krankenhausverwaltungen "zu zwingen", zukünftig weniger Geld für externe Berater auszugeben. Unklar ist, welche Handhabe der Minister hat, um das durchzusetzen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »