Ärzte Zeitung, 27.09.2012

Abzocke?

Verdächtige Post von "Dr. Poschmann"

Eine dubiose Anfrage erreicht einen Hausarzt per E-Mail: Er soll Patienten aus Großbritannien behandeln - dafür erhält er vorab einen hohen Scheck. Der Arzt ist misstrauisch. Systematische Abzocke?

Verdächtige Post von "Dr. Poschmann"

Der Scheck aus Großbritannien ist echt. Das Problem: Der Aussteller kann ihn noch bis zu ein Jahr platzen lassen.

© Didier

KÖLN (tau). Betrüger versuchen, Ärzten mit einer neuen Masche Geld aus der Tasche zu ziehen.

Ärzte sollen britische Patienten behandeln und bleiben dann auf geplatzten Schecks sitzen. Die "Ärzte Zeitung" hat mit einem Mediziner gesprochen, der beinahe in die Falle tappte.

Für Flug, Unterbringung und die Behandlung der Patienten verschickt ein angeblicher Gesundheitsberater vorab hohe Schecks an Ärzte. Sie sollen sich die Behandlungskosten aus der Summe nehmen und ein mit Transport und Unterbringung beauftragtes Unternehmen gegen Rechnungsvorlage bezahlen.

Der Trick: Banken lösen die Schecks zwar zunächst ein, sie können aber noch bis zu ein Jahr später platzen. Auf den Kosten für die erstatteten Rechnungen bleiben Betroffene sitzen. "Ich kann von Glück sagen, dass mich meine Bank richtig beraten hat", berichtet der Allgemeinmediziner Dr. Rainer Didier aus Enger, bei dem die Betrüger ihr Glück versuchten.

Scheck über 11.600 Pfund

Ende August erhielt Didier, der seine Praxis für ganzheitlich-individuelle Medizin in der Nähe von Bielefeld hat, die erste E-Mail mit der Absenderadresse Dr. Glar Poschmann, der sich mit "warm greetings" an ihn wandte.

Betreff: "Therapy appointments with you". Höflich erkundigte sich der Absender, ob Didier in etwa zwei Monaten zehn aufeinander folgende Therapie-Sitzungen für fünf britische Patienten anbieten könne.

"Auf Nachfrage schrieb er mir, dass es um Akupunktur-Behandlungen geht", sagt Didier. Er antwortete, dass er keine Akupunktur, sondern Neuraltherapie anbietet.

Das schien "Dr. Poschmann" nicht zu stören, der jetzt die Kosten für eine einzelne Sitzung erfahren wollte, damit die "Delegierten" und "Sponsoren" einen Scheck vorbereiten könnten. Didier teilte seine Honorarsätze mit.

"Tatsächlich erhielt ich Anfang September einen Scheck über 11.600 britische Pfund, den ich zu meiner Bank brachte", berichtet Didier.

Ein Angestellter sagte ihm, dass er den Scheck gegen eine Bearbeitungsgebühr von etwa hundert Euro einlösen werde.

Allerdings müsse der Arzt beachten, dass ein solcher Scheck auch noch ein Jahr später platzen könnte.

Verdacht auf Internetbetrug

Didier schrieb seinem britischen Gesprächspartner daraufhin, dass er den Scheck auf Anraten seiner Bank nicht einlösen werde.

Er sei bereit, die fünf Patienten zu behandeln, allerdings müsse das Geld dafür direkt auf sein Konto überwiesen werden. Dr. Poschmann ließ nichts mehr von sich hören.

"Ich denke, die werden weitere Ärzte anschreiben", glaubt Didier und rät Kollegen zur Vorsicht. "In diesem Fall ist der betrügerische Hintergrund ja nicht auf Anhieb zu erkennen, das scheint mir ein ausgeklügeltes System zu sein."

Mit seinem Verdacht liegt Didier anscheinend richtig: Die Anfrage Poschmanns ist im Wortlaut auf der Website "The Scambuster" zu finden. Hier können von Internetbetrug Betroffene Absenderadressen und betrügerische E-Mails veröffentlichen.

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