Ärzte Zeitung online, 15.05.2018

Europäische Volkspartei

200 Millionen mehr für Kampf gegen Krebs

Der Wahlkampf für die Europawahlen im kommenden Jahr startet mit Gesundheitspolitik. Die europäischen Christdemokraten wollen den Kampf gegen Krebs intensivieren.

BERLIN. Die christdemokratischen Parteien im Europaparlament stecken sich hohe Ziele im Kampf gegen Krebs.

"Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass in 20 Jahren niemand mehr an dieser schrecklichen Krankheit sterben muss", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion, der Arzt Dr. Peter Liese, am Dienstag in Berlin.

Im kommenden Jahr stehen Europawahlen an. Die EVP geht mit der Forderung nach einer Verdoppelung des Budgets der Europäischen Union für Krebsforschung von heute 200 Millionen Euro auf 400 Millionen Euro bis 2024 ins Rennen.

Förderung der Kinderonkologie

Die Forschungsanstrengungen für Krebserkrankungen von Kindern sollen besonders in den Blick genommen werden, kündigte Liese an. Dort müsse vor allem die nichtkommerzielle Forschung gefördert werden, weil aufgrund der geringen Fallzahlen der Markt für die Pharmaindustrie als zu klein gelte.

Aufgrund der niedrigen Fallzahlen sei es schwer, Studienpopulationen zusammen zu bekommen, bestätigte Professor Angelika Eggert von der Kinderonkologie und -hämatologie der Berliner Charité.

Ein weiterer Grund für kinderorientierte Forschungsanstrengungen an den Universitäten sei die unterschiedliche Ausbildung der Krankheit. "Die Tumoren bei Kindern haben völlig andere Eigenschaften und bieten andere Ansatzpunkte für Medikamente als die von Erwachsenen", sagte Eggert.

Die herkömmlichen Tumoren fänden sich bei Kindern nur in weniger als einem Prozent der Fälle. Um für das nur bei Kindern auftretende Neuroblastom eine Medikamentenstudie in Deutschland aufzusetzen, habe man zwölf Jahre lang Patienten rekrutieren müssen. Eine Folgestudie solle zwingend europäisch angegangen werden, so Eggert.

Ein weiterer Forschungsansatz, den die EVP gerne unterstützt sähe, ist der, eine Chemotherapie zu entwickeln, die mit weniger Substanzen auskommt und daher weniger Nebenwirkungen und auch geringere Kosten für die Gesundheitssysteme verspricht.

Europäische Nutzenbewertung

Nach Ansicht der EVP ist eine Reform der Nutzenbewertung von Arzneimitteln dringend erforderlich. Ein Vorstoß der Europäischen Kommission von Anfang des Jahres zielt auf eine europaweit einheitliche Bewertung von Arzneimitteln.

Nach der Zulassung einer Arzneimittelinnovation, die von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) vorgenommen wird, wäre dann auch die Nutzenbewertung europäisch. Der dritte Punkt, die Preisbildung, solle allerdings in nationaler Hand bleiben, sagte Liese.

Ziel sei, echte therapeutische Innovationen zu fördern statt Me-too-Präparate. (af)

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