Ärzte Zeitung, 13.10.2010

Mehrheit der Bürger plädiert für Bürgerversicherung

BERLIN (hom). Prämie oder Bürgerversicherung? Vor diese Alternative gestellt, würde sich laut einer aktuellen Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) unter 3000 Bundesbürgern die Mehrheit der Befragten für letztere Reformvariante aussprechen.

So trifft der Vorschlag, alle Personengruppen in die Finanzierung der Gesundheitsversorgung in der GKV im Sinne einer Bürgerversicherung einzubeziehen - also Beamte, Selbstständige und Besserverdienende, die heute privat verichert sind -, bei zwei Drittel der Befragten auf volle Zustimmung. Nur 16 Prozent der Befragten sind anderer Ansicht.

Das WIdO zieht daraus den Schluss: "Die Befragten finden ihre Gerechtigkeitsvorstellung eher in einer Bürgerversicherung wieder, die alle Personenkreise einbezieht, von Vermögenden zu Geringverdienern umverteilt und die Trennung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung aufhebt.

" Prämien- oder auch Kostenerstattungsmodelle, wie sie von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler vorangetrieben werden, würden dagegen "deutlich kritischer" bewertet, so das Fazit des WIdO.

Eindeutig fällt auch das Votum gegen mögliche Einschränkungen des Leistungskataloges der gesetzlichen Kassen aus. Vor die Alternative gestellt, eher auf Leistungen zu verzichten oder höhere Beiträge zu bezahlen, spricht sich laut WIdO-Umfrage nur eine Minderheit der Befragten für einen Leistungsverzicht aus.

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Philipp Rösler (1036)
[14.10.2010, 07:22:09]
Dr. Jürgen Schmidt 
Mit fragwürdigen Umfragen und Pseudogerechtigkeit in die Rationalitätenfalle!
Die der AOK-Umfrage zugrunde gelegene Fragestellung ist nicht bekannt. Bekannt aber ist, das sowohl das Prämienmodell als auch die sogenannte Bürgerversicherung eben noch vage Modelle darstellen, deren Folgen nicht für alle Bürger in vollem Umfang überschaubar sind. Wer unter diesen Voraussetzungen mit Umfrageergebnissen Politik betreibt, manipuliert. Schlimmer noch, unter dem immer gängigen Aspekt der "Gerechtigkeit" werden Begehrlichkeiten geweckt, die erheblichen Kapitalrückstellungen der Privaten Krankenversicherungen den gesetzlichen Versicherungen einzuverleiben. Das muss man wohl nur lange genug propagieren, damit sich am Ende niemand mehr über eine derartige Enteignung zu Lasten der Privatversicherten aufregt.
Eine "gleich geschaltete" Bürgerversicherung, das sei der AOK, der SPD und ganz besonders Herrn Lauterbach ins Poesiealbum geschrieben, würde eine strikte Zweiklassenmedizin verfestigen, denn die Vermögenden werden, wie man in anderen Ländern mit entsprechenden Systemen beobachten kann, auf der Behandlung in Privatkliniken und durch privat tätige Ärzte bestehen, die in ihren Entscheidungen nicht durch den Staat reglementiert und zu verdeckten Rationierungen gezwungen werden. zum Beitrag »

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