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Interview

"Unser Modell wird kein alter Wein in neuen Schläuchen sein"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist sich sicher: Das Bürgerversicherungsmodell der SPD wird strukturelle Probleme in der GKV langfristig lösen.

Veröffentlicht:
"Die Bürgerversicherung ist in jedem Fall das sozialere System." (Professor Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitssprecher)

"Die Bürgerversicherung ist in jedem Fall das sozialere System." (Professor Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitssprecher)

© Müller-Stauffenberg / imago

Ärzte Zeitung: Herr Professor Lauterbach, die Grünen haben Anfang der Woche ihr Gutachten zur Bürgerversicherung vorgelegt. Hand auf‘ s Herz: Wie weit ist die SPD mit ihrem Modell der Bürgerversicherung?

Lauterbach: Wir sind mit unserer Arbeit in jedem Fall weiter als die Grünen, obwohl diese ihr Gutachten bereits präsentiert haben. Das SPD-Modell wird in den nächsten Wochen fertig sein. Wann wir es dann letztendlich vorstellen werden, ist zurzeit noch unklar. Der SPD-Vorschlag wird aber in jedem Fall kein alter Wein in neuen Schläuchen, sondern ein tatsächlicher Neuaufschlag sein. Am Ende wird die SPD nicht nur einen Finanzierungsvorschlag vorlegen, sondern auch ein paar ganz strukturelle Dinge klären, wie künftig die Versorgung organisiert werden soll.

Ärzte Zeitung: Welche?

Lauterbach: Details zum SPD-Konzept der Bürgerversicherung möchte ich noch nicht nennen. Da bitte ich um Verständnis. Ich kann aber sagen, dass die Angleichung der Ärztehonorare ein wichtiger Aspekt ist. Letztlich wollen wir erreichen, dass kein Patient, aber auch kein Arzt schlechter gestellt wird. Bei uns ist - anders als im Gutachten der Grünen - nicht vorgesehen, das Arzthonorar auf GKV-Niveau abzusenken.

Ärzte Zeitung: Was lässt Sie annehmen, dass die Bürgerversicherung dem Prämien-Modell überlegen ist?

Lauterbach: Es gibt einen einheitlichen Versicherungsmarkt. Ob dieser dann über Prämien finanziert wird oder über Beiträge und Steuern, ist die zweite Frage. Eine Prämie mit Sozialausgleich ist immer ungerechter und gleichzeitig komplizierter als ein einkommensabhängiges Beitragssystem mit Steuerkomponenten. Die Bürgerversicherung ist in jedem Fall das sozialere System. Auch, weil sie die Zwei-Klassen-Medizin bekämpfen kann. Wenn ich davon nicht ausgehen könnte, gäbe es für die Bürgerversicherung kein Motiv.

Ärzte Zeitung: Wie sehen Ihre weiteren Pläne zur Umsetzung aus?

Lauterbach: Zunächst werden wir für das Finanzierungsgesetz von Rösler erstmalig keine Änderungsanträge stellen. Das liegt daran, dass wir dieses Gesetz für absolut misslungen halten. Wir gehen von zwei Dingen aus: Rot-Grün wird die nächste Wahl gewinnen, und dann werden wir das Gesetz ganz zurücknehmen.

Das Gespräch führte Sunna Gieseke.

Lesen Sie dazu auch: Opposition setzt weiter auf die Bürgerversicherung Lauterbach: "Unser Modell wird kein alter Wein in neuen Schläuchen sein" Der Weg zur Bürgerversicherung ist vermint Mehrheit der Bürger plädiert für Bürgerversicherung

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