Ärzte Zeitung, 14.01.2015

Kommentar zu Gesundheitsdaten

Ambitionierte Sparfüchse

Von Matthias Wallenfels

Gesundheitsdaten gegen Rabatt - mit diesem Modell versprechen sich private Krankenversicherer Zukunftschancen am Markt.

Die Idee klingt überzeugend: Wer seiner Versicherung durch die zeitnahe automatische Übermittlung seiner Vitaldaten nachweisen kann, dass er nicht raucht und trinkt und über die Fitness eines Spartaners verfügt - also "gesund" lebt -, soll Prozente beim Tarif zugesprochen kriegen.

Die Kehrseite der Medaille wird gerne ignoriert: Wird aus dem ehemaligen Gesundheitsfanatiker eine rauchende und trinkende Couch-Potatoe, die sich in zunehmendem Maße mit Hüftgold ziert, werden die Versicherer mit Sicherheit die rote Karte zeigen: Tariferhöhung! Schlimmstenfalls können sie die Assekuranz nicht mehr wechseln.

Insofern spricht die Bundestagsfraktion der Linken in ihrer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung einen wichtigen Punkt an: Wie soll das absehbare Gebaren der Versicherer reguliert und auch eine Diskriminierung von Menschen mit Behinderung verhindert werden?

Es ist zu hoffen, dass das Thema mit der Ernsthaftigkeit angegangen wird, die ihm gebührt. Denn der Markt alleine - und damit ambitionierte Sparfüchse unter den Policennehmern - wird es perspektivisch nicht regulieren können.

Lesen Sie dazu auch:
Linke fordert Klarstellung: Was macht die PKV mit Gesundheitsdaten?

[14.01.2015, 06:41:42]
Tilman Kappe 
Was sind "Gesundheits"daten?
Bei Krankheitsdaten kann ich es mir vorstellen: das sind Daten, die eine Abweichung von der der Norm haben. Aber "Gesundheits"daten? Sind das Informationen über das ordnungsgemäße Funktionieren eines Körpers? Sozusagen die Meldung Istwert=Sollwert?

Bei der Übernahme von Presseerklärungen sollte die Redaktion und auch ein Kommentator "Neusprech" hinterfragen und ggf. klarstellend eingreifen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Warum ein Blinddarm auch nach der Op noch Ärger macht

Fälle wiederkehrender Appendizitis nach Appendektomie sind rar. Doch es sind offenbar sogar mehrere Rezidive möglich, wie ein Fall aus den USA zeigt. mehr »

CDU erwägt höhere GKV-Vergütung

Offiziell haben die Koalitionsverhandlungen zwar noch nicht begonnen. Doch: Die Union gibt bereits erste zarte Signale auf einen möglichen Kompromiss beim Ärztehonorar - inklusive einem Ende der Budgetierung. mehr »

Das sind die neuen Paul Ehrlich-Preisträger

Die Paul-Ehrlich-Stiftung ehrt dieses Jahr Forscher für ihre Arbeiten zum Tumor-Nekrose-Faktor mit ihrem mit 120.000 Euro dotierten Preis. Außerdem erkennen sie die Leistung eines Biochemikers zur Erforschung verschiedener Fettzelltypen an. mehr »