Ärzte Zeitung, 22.05.2013

Personalisierte Medizin

Industrie macht die Gegenrechnung

Personalisierte Medizin führt nicht zu einer Explosion der Gesundheitskosten, glauben Vertreter der Pharmaindustrie. Vielmehr helfe sie, Folgekosten zu vermeiden.

Von Anno Fricke

fischer-b-A.jpg

Glaubt an den Nutzen der personalisierten Medizin: vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer.

© Stephanie Pilick

BERLIN. Eine Kompensation für höheren Entscheidungs- und Beratungsaufwand der Ärzte beim Einsatz von personalisierter Medizin hat die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), Birgit Fischer, gefordert.

Die Kostenträger sollten den Zusatznutzen und die Kosteneffizienz dieser Innovationen anerkennen.

"Personalisierte Medizin ändert die Kostenstruktur im Gesundheitswesen. Für die Vortests muss mehr ausgegeben werden, doch dafür lassen sich therapeutische Fehlversuche und Folgekosten einsparen", sagte Fischer bei der Fachtagung in Berlin, die der Bundesverband Managed Care (BMC) in Zusammenarbeit mit dem vfa und dem BPI ausgerichtet hat.

Die Befürchtungen der Kassen, personalisierte Medizin könne die Versorgung verteuern, müssten ernst genommen und mit dem für Patienten entstehenden Zusatznutzen abgewogen werden, sagte Professor Manfred Amelung, Vorstandsvorsitzender des BMC.

Fahrenkamp erwartet keine Kostenexplosion

Anbieter neuer Produkte und Therapien, aber auch innovative Versorgungskonzepte sähen sich in Deutschland einem "extrem abgeschotteten Markt" gegenüber. Das Gesundheitswesen nutze die Innovationskraft der Industrie zu wenig.

Die Unternehmen in Selektivverträge einzubinden biete aber Chancen, Innovationskreisläufe in Gang zu bringen.

Die personalisierte Medizin erschöpfe sich nicht in der Stratifizierung von Patientenpopulationen, sagte Henning Fahrenkamp, Hauptgeschäftsführer des BPI. Sogar im Wortsinne personalisiert seien Zelltherapien und die regenerative Medizin.

Zu dem von den Kassen befürchteten "Horrorszenario einer Kostenexplosion" werde es nicht kommen, sagte Fahrenkamp. Den Kosten der personalisierten Medizin ständen zum Beispiel weniger Krankenhausaufenthalte und weniger Fehltage gegenüber.

Derzeit sind 29 Kombinationen aus Diagnostika und Therapeutika zugelassen, davon allein 22 zur Behandlung von Krebserkrankungen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Zuckerbrot und Peitsche für Ärzte

Gesundheitsminister Spahn nimmt die "Hobbypraxen" ins Visier. Mehr Kontrolle, aber auch mehr Geld für Ärzte sieht der Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes vor. mehr »

Deutlicher HIV-Anstieg in fast 50 Ländern

In fast 50 Ländern steigt die Zahl der HIV-Neuinfektionen – in manchen drastisch. Auf der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam beraten Experten in dieser Woche, wie sich der Trend aufhalten lässt. mehr »

Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. mehr »