Ärzte Zeitung online, 14.02.2018

Kollaboration gefragt

So könnte ein Nationales Gesundheitsportal arbeiten

Das IQWiG skizziert, wie ein Nationales Gesundheitsportal angelegt werden könnte.

KÖLN. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) hat im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums ein Konzept für ein Nationales Gesundheitsportal vorgelegt. Es soll verlässliche Informationen zu Gesundheits- und Präventionsfragen bündeln. Das IQWiG schlägt vor, dass sich an Evidenz orientierte Anbieter von Informationen zu Gesundheitsfragen "freiwillig und unter Beibehaltung ihrer Eigenständigkeit auf gemeinsame Qualitätsstandards einigen und als ‚Content-Partner‘ ihre Inhalte auf einer kooperativen Plattform bereitstellen".

Das Institut, das selber seit 2006 die Webseite gesundheitsinformation.de betreibt, schlägt dazu einen stufenweisen Ausbau des Portals vor. Als erste Ausbaustufe denkt das IQWiG an eine Suchmaschine, die ausschließlich die Inhalte akkreditierter Content-Partner erfasst und Nutzern entsprechende Trefferlisten liefert. Nach und nach könne dann die Suchmaschine durch inhaltliche Module ergänzt werden. Als "umsetzbar" sieht das Institut unter anderem diese Module an: evidenzbasierte Gesundheitsinformationen und Präventionsangebote, Navigator zu persönlichen und telefonischen Beratungsangeboten, Navigator zu Kliniken, Ärzten oder Pflegeeinrichtungen, Navigator zu laufenden klinischen Studien und "gegebenenfalls" die Bewertung aktueller Medienberichte mit Gesundheitsbezug.

Koordiniert werden soll der ganze Prozess durch einen Träger des Portals, der "weitgehend eigenständig" die redaktionelle und technische Betreuung übernehmen soll. Die Unabhängigkeit des Portals erfordere es, dass der Träger keine kommerziellen Interessen verfolgt und gemeinnützig ist. Verbraucher und Patienten müssten von Anfang an in die Entwicklung des Portals einbezogen werden, fordert das Institut.

Nach einer Analyse des Gesundheitsmonitors der Bertelsmann-Stiftung und der Barmer starten 80 Prozent der Ratsuchenden ihre Suche bei Google. Sie konzentrieren sich in der Regel auf die ersten zehn Treffer, die von Anzeigen kommerzieller Anbieter eingerahmt sind.

Untersuchungen haben ergeben, dass es um die Gesundheitskompetenz der Deutschen nicht gut bestellt ist. Die Studie "Health Literacy in Deutschland" der Bielefelder Professorin Doris Schaeffer kommt zu dem Ergebnis, dass es mehr als der Hälfte der Deutschen (54,3 Prozent) schwerfällt, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden.

Vor diesem Hintergrund hat das Bundesgesundheitsministerium zusammen mit Partnern im Juni vergangenen Partnern die "Allianz für Gesundheitskompetenz" ausgerufen. Eines der dort vereinbarten Vorhaben ist eine Machbarkeitsstudie für ein Nationales Gesundheitsportal, für das das IQWiG jetzt einen Rahmenentwurf präsentiert hat.(fst)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Zukunftsängste belasten junge Krebspatienten

Geldnöte und Zukunftsängste setzen jungen Erwachsenen nach der Diagnose Krebs besonders zu. Onkologen fordern bessere Unterstützung und Beratung aus einer Hand. mehr »

Radiologische Praxen auf dünnem Eis

Früherkennung mittels Röntgenstrahlen ist derzeit nur für Brustkrebs legal. Viele radiologische Praxen, die weitergehende Angebote machen, verstoßen damit gegen das Strahlenschutzgesetz. mehr »

"Es hapert deutlich bei der Prävention"

In der Schlaganfallversorgung ist Deutschland Weltspitze, doch bei der Prävention gibt es große Defizite, findet Professor Hans-Christoph Diener. mehr »