Ärzte Zeitung online, 19.02.2019

30. Deutscher Herzbericht

Ältere profitieren besonders von Herzchirurgie-Innovationen

Die Therapien in der Herzchirurgie haben sich in den letzten Jahren teils massiv verändert: Der Trend geht zu innovativen Interventionen, von denen vor allem alte und multimorbide Patienten profitieren.

Von Helmut Laschet

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Die häufigsten Eingriffe am Herzen sind laut Deutschem Herzbericht Bypass-Operationen.

© muratolmez / Fotolia

BERLIN. Mit einer Überlebensrate von mehr als 97 Prozent bei insgesamt fast 102.000 Operationen steht die deutsche Herzchirurgie nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäß-Chirurgie international auf einem Spitzenplatz. Etwa zwölf Prozent der Eingriffe erfolgen bei Notfallpatienten.

Die häufigsten Eingriffe sind isolierte Bypass-Operationen, sie sind allerdings um rund 11.000 im Jahr 2008 auf 36.300 im Jahr 2017 zurückgegangen. Zugenommen haben dagegen isolierte Herzklappenoperationen in Kombination mit Aortenchirurgie von 22.200 auf 34.400, wie Dr. Wolfgang Harringer, Präsident der Fachgesellschaft, bei der Vorstellung des 30. Deutschen Herzberichts in Berlin sagte.

Inzwischen ist fast jeder zweite Patient in der Herzchirurgie mehr als 70 Jahre alt, Anfang der 1990er Jahre waren es gerade einmal 13 Prozent. Rund 15 Prozent der Patienten sind über 80 Jahre alt.

Sorge bereitet nach wie vor die Transplantationsmedizin aufgrund einer zu geringen Zahl von Spenderorganen. Der Tiefpunkt der durchgeführten Herztransplantationen wurde 2017 mit 257 Eingriffen erreicht, weniger als die Hälfte des Spitzenjahres 1997 mit 562 Transplantationen. Das Tal könnte jedoch durchschritten sein, glaubt Harringer: Im vergangenen Jahr wurden mit 318 wieder deutlich mehr Herzen verpflanzt. Häufigste Indikationen: Kardiomyopathie, chronisch ischämische Herzkrankheit.

Im vergangenen Jahr standen 719 Patienten auf der Warteliste. Die Zahl ist leicht rückläufig, auch deshalb, weil Patienten wegen ihres schlechten Allgemeinzustandes von der Warteliste genommen werden müssen, oder weil sie sterben. Dabei ist die Transplantation Therapiealternativen stark überlegen: Zehn Jahre nach einer Transplantation leben noch etwa 60 Prozent der Patienten, mit Linksherzunterstützungssystemen haben – je nach Risikoprofil – noch 60 bis 80 Prozent der Patienten eine Lebenserwartung von zwei Jahren.

Therapiewechsel bei Koronarer Herzkrankheit

Bei der Behandlung der Koronaren Herzkrankheit – zu 90 Prozent durch Rauchen, Bewegungsmangel, Diabetes mellitus und Stoffwechselstörungen verursacht – gibt es seit Jahren einen klaren Therapiewechsel: Die Zahl der operativen Eingriffe sinkt kontinuierlich auf inzwischen unter 40.000, die Zahl der Interventionen hat sich auf rund 380.000 seit dem Jahr 2000 in etwa verdoppelt. Die Überlebensrate liegt altersunabhängig bei 97 Prozent.

70 Jahre oder älter ist inzwischen jeder zweite Patient in der Herzchirurgie. Anfang der 1990er Jahre waren es gerade einmal 13 Prozent.

Nach einem steilen Anstieg in den 1990er Jahren weist die Zahl der Herzklappeneingriffe seit 2005 nur noch einen moderaten Anstieg auf und stabilisiert sich zwischen 2013 und 2017 bei etwa 180.000. Bei den Aortenklappen-Eingriffen gibt es einen klaren Trend zu TAVI-Interventionen, die inzwischen mit 12.000 häufiger als SAVR (Surgical Aortic Valve Replacement) durchgeführt werden.

In diesem Zusammenhang begrüßt Harringer die Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), ein gesetzliches Implantateregister einzuführen.

Der Bericht im Netz: www.herzstiftung.de/ herzbericht

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