Ärzte Zeitung, 14.11.2012

Berlin

Jede Zweite meidet Mammografie-Screening

Ärzte und Politiker loben Mammografie-Screening als effektive Möglichkeit, Brustkrebs früh zu erkennen. Trotzdem bleiben nach wie vor viele Berlinerinnen der Untersuchung fern.

Von Eugenie Wulfert

Jede Zweite meidet Mammografie-Screening

Ein Mammogramm wird genau begutachtet: Ist tatsächlich ein Mammakarzinom vorhanden?

© Steffen Schellhorn / imago

BERLIN. Mit dem Mammografie-Screening-Programm haben sich die Behandlungsmöglichkeiten für Frauen mit Brustkrebs erheblich verbessert, lautete das Fazit zum fünfjährigen Bestehen des Berliner Mammografie-Programms.

"Mit seinen hohen Qualitätsstandards ist das Mammografie-Screening ein wichtiger Meilenstein in der Brustkrebsversorgung", sagte Emine Demirbüken-Wegner (CDU), Berliner Staatssekretärin für Gesundheit, bei der Informationsveranstaltung anlässlich des Jubiläums in Berlin.

Denn jede dritte Berlinerin sei von der Erkrankung betroffen. Damit ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in der Hauptstadt.

Über eine halbe Million Untersuchungen

Seit der flächendeckenden Einführung des Früherkennungsprogramms in Berlin vor fünf Jahren haben nach Angaben des Berliner Referenzzentrums über eine halbe Millionen Untersuchungen stattgefunden.

Bis Ende 2011 entdeckten die Ärzte bei 3930 Frauen einen Brustkrebs, das heißt bei neun von 1000 Frauen wurde die gefürchtete Diagnose gestellt.

Danach seien alle vier Berliner Screening-Einheiten bundesweit in der Spitzengruppe bei der Entdeckungsrate von Karzinomen, so Demirbüken-Wegner.

Dabei seien drei Viertel der Tumore kleiner als 15 Millimeter, 30 Prozent sogar kleiner als zehn Millimeter gewesen. Bei 74 Prozent der erkrankten Frauen waren die Lymphknoten nicht befallen.

"Der Anteil der Karzinome, die gut behandelbar sind, hat sich damit durch das Früherkennungsangebot deutlich erhöht", betonte die Leiterin des Referenzzentrums Mammografie Berlin, Dr. Lisa Regitz-Jedermann.

Sie appellierte daher eindringlich an die Berlinerinnen, die Chance zur Früherkennung konsequent zu nutzen.

Denn trotz dieser ermutigenden Ergebnisse gehen nur etwa die Hälfte der 50- bis 69-jährigen Berlinerinnen alle zwei Jahre im Rahmen des Früherkennungsprogramms zur Mammografie.

Migrantinnen sind schwierig zu erreichen

Wie beim bundesweiten Mammografie Screening-Programm ist auch in Berlin die Teilnahmequote mit 51 Prozent das Sorgenkind. Häufige Gründe dafür sind nach Einschätzung der ärztlichen Leiter der Screening-Zentren Vorurteile und Ängste.

Hinzu komme, dass in Ballungsgebieten die Teilnahmequoten generell geringer ausfallen. "Solange das sogenannte graue Screening existiert, werden wir die geforderten 70 Prozent nicht erreichen können", sagte Regitz-Jedermann.

Besonders schwierig ist es nach ihren Angaben aber auch, Migrantinnen zu erreichen. "Informationen sollen auf unterschiedliche Bedürfnisse der Frauen zugeschnitten sein", forderte auch die Staatssekretärin Demirbüken-Wegner.

Die geringe Teilnahmequote führte die Leiterin des Referenzzentrums Mammografie Berlin auch auf die negative Berichterstattung über das Mammografie-Screening zurück.

Regitz-Jedermann gab zwar zu, dass es beim Mammografie Screening durchaus "nachteilige Effekte wie Überdiagnose und sogenannte falsch-positive Diagnosen" gibt.

Ihre Bedeutung werde aber in den Medien immer wieder überbewertet.

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