Ärzte Zeitung, 19.06.2015

Kommentar zum Gesetz

Prävention auf dürren Beinen

Von Helmut Laschet

Geschafft! Nach mehrmaligen Anläufen von Vorgänger-Regierungen hat die große Koalition nun ein Präventionsgesetz auf die Beine gestellt - auf dürre Beine. Die Ursache dafür ist in der föderalen Politikstruktur der Bundesrepublik zu suchen.

Bislang waren Präventionsgesetze immer an der fehlenden Bereitschaft der Länder gescheitert, sich adäquat finanziell zu engagieren. Die Beschränkung auf ein jetzt zustimmungsfreies Gesetz hat natürlich zu einem Torso geführt.

Dennoch: Realpolitik ist Voranschreiten in kleinen Schritten. Bedenkt man, dass wesentliche Teile einer effektiven Präventionspolitik nicht Gegenstand der Gesundheits-, sondern vor allem der Bildungspolitik sind, dann kommt es wiederum auf die Länder an.

Ob die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dafür die Blaupausen liefern wird und ob Kultusministerien und Schulen diese nutzen werden, ist möglich, aber keineswegs sicher.

In den vergangenen Monaten ist aber eines deutlich geworden: mit den Themen Ebola, Antibiotika-Resistenz, Masern-Epidemie in Berlin und der Debatte über eine effektivere Impfstrategie sind zentrale Herausforderungen der Präventionspolitik bei vielen Stakeholdern der Gesundheitspolitik angekommen.

Bleibt zu hoffen, dass dies nicht nur eine kurze Mode wird.

Lesen Sie dazu auch:
Bundestag: Präventionsgesetz mit einigen Änderungen verabschiedet

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[28.06.2015, 19:32:09]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Prävention noch gar nicht gehfähig!
Stakeholder (engl. Teilhaber) der Gesundheitspolitik haben m. E. nicht immer uneigennützig ein berechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis von Präventions-Prozessen oder Präventions-Projekten. Zentrale Herausforderungen der Präventionspolitik mit Fehlernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkohol, Rauchen, Risikoverhalten (Renn-, Leistungs- und Extremsport, unfallträchtiges Fahren, Mutproben etc.) werden konterkariert durch das damit verbundene Steueraufkommen. Von einer Präventionsabgabe bei der Besteuerung von verkauften Lebens-, Genuss- und potenziellen Suchtmitteln wie Alkohol und Nikotin ist man noch meilenweit entfernt.

Selbst nach der Masernendemie in Berlin sind immer noch keine zentrale Impfstelle für Flüchtlinge, Asylbewerber und EU-Migranten implementiert, geschweige denn präventive Gesundheitsuntersuchungen zur Frühdetektion von übertragbaren Erkrankungen möglich gemacht worden.

Für alle denkbaren und möglichen Krankheiten gibt es keine gezielten Präventions-Programme. Denn die überwältigende Zahl von Krankheitsbildern lässt sich à priori gar nicht primärpräventiv begrenzen, weil sie altersabhängig ubiquitär unvermeidbar auftauchen, genetisch-hereditär, idiopathisch, essenziell, exogen oder endogen bedingt sind.

Tagtäglich praktizieren wir Ärzte e n t g e g e n der Ansicht medizin-bildungsferner Schichten Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Achtsamkeit, Respekt und Anerkennung gegenüber diesen Bemühungen lassen Krankenkassen, Politik, Medien und Öffentlichkeit schmerzlich vermissen. Doch es gibt keine ärztliche begründete Prävention zum Nulltarif!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Freizeitsportler gefährden ihre Herzgesundheit mit Doping

Fast jeder sechste Freizeitsportler nimmt inzwischen herzschädigende Arzneimittel zur Verbesserung von Fitness und Körperoptik. Vor allem der Anteil weiblicher User steigt. mehr »

Welche Bakterien mit uns U-Bahn fahren

In der Hongkonger U-Bahn sind morgens andere Keime zu finden als im abendlichen Berufsverkehr. Gefährlicher sind Metro-Linien mit höherem Verkehrsaufkommen aber wohl nicht, wie eine Studie ergeben hat. mehr »

Umsatzchancen von Hausärzten hängen stark von KV-Region ab

Niedrige Fallzahlen, aber teilweise auch niedrige Fallwerte: Hausärzte in Hamburg und Berlin haben es als Vertragsärzte nicht leicht. Ihre Kollegen in Thüringen und Sachsen-Anhalt erwirtschaften deutlich mehr. mehr »