Kommentar zum Gesetz

Prävention auf dürren Beinen

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:

Geschafft! Nach mehrmaligen Anläufen von Vorgänger-Regierungen hat die große Koalition nun ein Präventionsgesetz auf die Beine gestellt - auf dürre Beine. Die Ursache dafür ist in der föderalen Politikstruktur der Bundesrepublik zu suchen.

Bislang waren Präventionsgesetze immer an der fehlenden Bereitschaft der Länder gescheitert, sich adäquat finanziell zu engagieren. Die Beschränkung auf ein jetzt zustimmungsfreies Gesetz hat natürlich zu einem Torso geführt.

Dennoch: Realpolitik ist Voranschreiten in kleinen Schritten. Bedenkt man, dass wesentliche Teile einer effektiven Präventionspolitik nicht Gegenstand der Gesundheits-, sondern vor allem der Bildungspolitik sind, dann kommt es wiederum auf die Länder an.

Ob die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dafür die Blaupausen liefern wird und ob Kultusministerien und Schulen diese nutzen werden, ist möglich, aber keineswegs sicher.

In den vergangenen Monaten ist aber eines deutlich geworden: mit den Themen Ebola, Antibiotika-Resistenz, Masern-Epidemie in Berlin und der Debatte über eine effektivere Impfstrategie sind zentrale Herausforderungen der Präventionspolitik bei vielen Stakeholdern der Gesundheitspolitik angekommen.

Bleibt zu hoffen, dass dies nicht nur eine kurze Mode wird.

Lesen Sie dazu auch: Bundestag: Präventionsgesetz mit einigen Änderungen verabschiedet

Mehr zum Thema

Kasuistiken

HIV-infiziert trotz PrEP: Was ist passiert?

Hessen

COVID-Impfpass-Fälscher in Kassel aufgeflogen

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Long-COVID

Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Prävention noch gar nicht gehfähig!

Stakeholder (engl. Teilhaber) der Gesundheitspolitik haben m. E. nicht immer uneigennützig ein berechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis von Präventions-Prozessen oder Präventions-Projekten. Zentrale Herausforderungen der Präventionspolitik mit Fehlernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkohol, Rauchen, Risikoverhalten (Renn-, Leistungs- und Extremsport, unfallträchtiges Fahren, Mutproben etc.) werden konterkariert durch das damit verbundene Steueraufkommen. Von einer Präventionsabgabe bei der Besteuerung von verkauften Lebens-, Genuss- und potenziellen Suchtmitteln wie Alkohol und Nikotin ist man noch meilenweit entfernt.

Selbst nach der Masernendemie in Berlin sind immer noch keine zentrale Impfstelle für Flüchtlinge, Asylbewerber und EU-Migranten implementiert, geschweige denn präventive Gesundheitsuntersuchungen zur Frühdetektion von übertragbaren Erkrankungen möglich gemacht worden.

Für alle denkbaren und möglichen Krankheiten gibt es keine gezielten Präventions-Programme. Denn die überwältigende Zahl von Krankheitsbildern lässt sich à priori gar nicht primärpräventiv begrenzen, weil sie altersabhängig ubiquitär unvermeidbar auftauchen, genetisch-hereditär, idiopathisch, essenziell, exogen oder endogen bedingt sind.

Tagtäglich praktizieren wir Ärzte e n t g e g e n der Ansicht medizin-bildungsferner Schichten Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Achtsamkeit, Respekt und Anerkennung gegenüber diesen Bemühungen lassen Krankenkassen, Politik, Medien und Öffentlichkeit schmerzlich vermissen. Doch es gibt keine ärztliche begründete Prävention zum Nulltarif!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Viele positive Reaktionen auf Karl Lauterbachs Nominierung zum Bundesgesundheitsminister. Aber auch große Erwartungen.

© Michael Kappeler/dpa

Gesundheitsfachleute zum neuen Gesundheitsminister

„Wir als Ärzteschaft wissen, was wir an Lauterbach haben“

Scholz bringt Wissenschaft gegen Populismus in Stellung

© Michaela Illian

Leitartikel zum neuen Gesundheitsminister

Scholz bringt Wissenschaft gegen Populismus in Stellung

Eine gute Stimmung im Team: Das ist nicht in allen Praxen der Fall. Bei Konflikten sollten die Parteien sich selbst hinterfragen, empfiehlt eine Psychologin. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

MFA

Praxissegen hängt schief? Fünf Wege aus der Harmoniefalle