Ärzte Zeitung online, 09.10.2018

Hausarztzentrierte Versorgung

Warum geht's nur im Ländle?

Ein Kommentar von Anno Fricke

anno.fricke

Schreiben Sie dem Autor anno.fricke@springer.com

Terminservicestellen und Überweisungsprämien: Gesundheitsminister Jens Spahn versucht mit seinem Versorgungsgesetz die Ärzte zum Jagen zu tragen. Ziel ist, die Zahl der Arztkontakte zu senken und Wartezeiten auf Facharzttermine zu verkürzen.

Gleichzeitig zeigen die AOK Baden-Württemberg, der Hausärzteverband und der Fachärzteverband MEDI seit zehn Jahren, dass Versorgungssteuerung auch ohne par ordre de mufti implementierte Instrumente möglich ist. Die Ergebnisse der Evaluation sind beredt. Von dem, was der Minister anstrebt, haben Badener und Schwaben mit ihrer Hausarztzentrierten Versorgung nebst angeflanschter fachärztlicher Strukturverträge schon viel erreicht.

Die Frage steht im Raum, warum trotz nachgewiesener Wirksamkeit der Rest der Republik das Modell aus dem Südwesten nur extrem langsam aufgreift? Von 72 Millionen gesetzlich Versicherten sind außerhalb Baden Württembergs nur rund 3,3 Millionen Versicherte in die HzV eingeschrieben.

Es fehlt die kritische Masse. Bundesweite Kassen sehen sich zudem den strengen Regeln des Bundesversicherungsamts ausgesetzt. Nicht alle Kassen-Chefs engagieren sich so konsequent wie Christopher Hermann in "BeWe". Zum Jagen tragen müsste man also vielleicht nicht nur die Ärzte.

Lesen Sie dazu auch:
10 Jahre HzV: HzV-Patienten - bessere Versorgung und Überlebenschance
Praxisabgabe: HzV lässt Praxen heller strahlen
Neuer Evaluationsbericht: HzV sticht Regelversorgung aus

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[11.10.2018, 15:59:12]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Dr. Volker Traut
In Baden-Württemberg wurde seit zehn Jahren seitens der AOK u. vor allem
des Hausärzteverbandes unaufhörlich Werbung für den HzV gemacht.

Wenn denn die neben Ihrem Kommentar enthaltenen Beiträge “Wissenschaftler: HzV schlägt Regelversorgung mehrfach” sowie “HzV läßt Praxen heller strahlen” tatsächlich zutreffen, fragt man sich, wieso nicht alle Hausärzte in Baden-Württemberg dem AOK-HzV beigetreten sind.
Den Artikeln u. Ihrem Kommentar dazu ist gemeinsam nur die Darstellung der
Patienten- u. Kassenseite. Die Belastungen für Hausärzte im HzV werden ausgespart.
So muß ein zweites Abrechnungssystem neben dem der KV betrieben werden,
monatliche Softwarepflege u. Beitragszahlung an den Hausärzteverband, selbst zu zahlende Laboruntersuchungen belasten das Honorar, eingeengte Medikamentenverschreibung mit finanziellen Einbußen bei Abweichungen usw. sind die Schattenseiten.
Selbst der hochgelobte Honorarmehrertrag des HzV ist fragwürdig, wenn die vielfältigen sog. freien unbudgetierten Leistungs-Angebote der KV in Anspruch genommen werden.
Die mir bekannte Hausarztpraxis erzielt seit Jahren ohne HzV bei der GKV Brutto ca. 85 Euro pro KV-Fall u. liegt damit auf gleichem, wenn nicht höherem Niveau.
Die Versorgung der Patienten einschließlich Überweisung zu den diversen Fachärzten läuft problemlos, stationäre Einweisungen sind streng nach Krankheitsschwere ausgerichtet.

Dr. Volker Traut
Allgemeinarzt aus Emmendingen








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