Ärzte Zeitung online, 28.08.2015

Uniklinik Jena

Millionenförderung für Sepsis-Zentrum

Dank seines einzigartigen Zentrums gilt Jena als Hochburg der Sepsisforschung. Bis 2020 ist der Uniklinik die staatliche Förderung sicher.

JENA. Das bundesweit einzige integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum für Sepsis-Erkrankungen am Universitätsklinikum Jena wird für weitere fünf Jahre vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Bis 2020 fließen 24 Millionen Euro in das Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen (Center for Sepsis Control und Care, CSCC), wie das Klinikum am Freitag mitteilte. Damit sollen 21 Kernprojekte finanziert werden, darunter allein acht klinische Studien.

In Deutschland ziehen sich nach Schätzungen des Zentrums jährlich rund 175.000 Menschen eine Sepsis zu, die bei nicht frühzeitiger Diagnostik und Therapie zum einem Multiorganversagen führen kann. Geschätzt 50.000 Menschen sterben daran pro Jahr in Deutschland.

Schwer behandelbare Infektionen

Schwerpunkte der Forschungsarbeit am seit Sommer 2010 bestehenden Jenaer Sepsis-Zentrum sind in den nächsten fünf Jahren schwer behandelbare Infektionen, Strategien für antimikrobielle Therapien, vor allem die medikamentöse Behandlung mit Antibiotika sowie das Vorgehen bei Organversagen.

Außerdem stehen die Spätfolgen der Erkrankung für Überlebende im Fokus der Jenaer Wissenschaftler - und zwar nicht nur die körperlichen, sondern auch die psychischen. Bei immerhin bis zu zwei Drittel der wegen einer schweren Sepsis intensivmedizinisch behandelten Patienten haben Psychologen des Jenaer Uniklinikums in früheren Studien Anzeichen für eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) gefunden.

In einer Anfang 2016 startenden klinischen Studie wollen sie nun die Wirksamkeit einer Online-Schreibtherapie für traumatisierte Überlebende und deren Angehörige prüfen.

100 Projekte realisiert

Nach Angaben des Klinikums haben die knapp 200 CSCC-Mitglieder seit Gründung des Sepsis-Zentrums rund 100 wissenschaftliche Projekte realisiert - von Abschlussarbeiten bis zu multizentrischen Studien. Knapp 400 Fachbeiträge wurden veröffentlicht, zwei Firmen ausgegründet.

Neun Professuren wurden geschaffen und besetzt. Zum Forschungsnetzwerk gehören neben Klinikum und Universität auch die Jenaer Leibniz-Institute für Naturstoffforschung und Infektionsbiologie beziehungsweise für photonische Technologien.

In der ersten Förderphase seit 2010 hatte das CSCC 23 Millionen Euro vom Bund erhalten. Das CSCC ist eines von deutschlandweit acht integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die vom Bund gefördert werden. (zei)

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