Ärzte Zeitung online, 13.07.2017
 

Cannabistherapie

Warten auf EBM-Ziffer zur Dokumentation

Wie wird der gesetzlich geforderte Dokumentationsaufwand bei einer Cannabistherapie vergütet? An einer EBM-Ziffer arbeiten die Vertragspartner noch. Nur in Nordrhein wird der Aufwand analog über die EBM-Ziffer für einen Krankheitsbericht honoriert.

Von Rainer Kuhlen

Cannabistherapie: Warten auf EBM-Ziffer zur Dokumentation

Cannabis als Medizin: Seit März ist das auch im Sozialgesetzbuch V verankert.

© megaflopp / Fotolia

VELLMAR. Seit dem 10. März dieses Jahres haben Patienten mit einer schwerwiegenden Erkrankung unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Versorgung mit Cannabinoiden. Konkret ist die Verordnung von Cannabinoiden gemäß Paragraf 31 Absatz 6 SGB V in Form getrockneter Blüten oder Extrakten sowie mit Fertigarzneimitteln möglich, die die Wirkstoffe Dronabinol oder Nabilon enthalten. Zu Lasten der Krankenkassen darf Patienten mit einer schwerwiegenden Erkrankung verordnet werden, wenn

-eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung nicht zur Verfügung steht oder im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann;

-und eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.

-Vor der erstmaligen Verordnung eines Cannabinoidpräparates muss der Patient jedoch die Genehmigung seiner Krankenkasse einholen. Ärzte, die Cannabinoide verordnen, müssen in der Regel ein Jahr nach dem Behandlungsbeginn oder bei Abbruch der Behandlung bestimmte Daten zum Patienten, zur Diagnose und Therapie in anonymisierter Form an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) übermitteln. Die Patienten sind zu Beginn einer Cannabis-Therapie in einem persönlichen Gespräch auf die gesetzlich vorgeschriebene Datenübermittlung an das BfArM hinzuweisen.

-Fraglich ist jedoch, wie diese von dem Arzt auszufüllenden Begleiterhebungen vergütet werden. Die Vergütungsmöglichkeiten für den Arzt sind bislang noch nicht bundeseinheitlich geregelt. Die meisten Kassenärztlichen Vereinigungen vertreten die Auffassung, dass mangels ausdrücklicher Regelung im EBM jedenfalls bislang keine Vergütung für die Begleiterhebung erfolgen könne. Die KV Nordrhein dagegen vergütet den Dokumentationsaufwand im Zusammenhang mit der Begleiterhebung bereits jetzt analog über die EBM-Ziffer 01621 ("Krankheitsbericht") mit 4,63 Euro.

-Das Bundesministerium für Gesundheit geht davon aus, dass für die erforderliche Datenerhebung im Zusammenhang mit der sozialrechtlich verankerten Cannabisverordnung sowie die entsprechenden Eintragungen (unter anderem auch Verlaufsdarstellungen) in der Arztpraxis ein Mehraufwand von rund 45 Minuten pro Fall anzusetzen ist. Zwar ist vorgesehen, diesen Mehraufwand auch zu vergüten. Umgesetzt ist das bislang aber noch nicht.

-Derzeit verhandelt die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit den Krankenkassen, um eine bundeseinheitliche Regelung auf die Beine zu stellen. Innerhalb des nächsten halben Jahres soll hierfür eine EBM-Ziffer gebildet werden. Die Vergütungshöhe dürfte dann voraussichtlich deutlich höher ausfallen als die in Nordrhein derzeit zugestandenen 4,63 Euro.

-Da die Daten an das BfArM grundsätzlich erst ein Jahr nach Behandlungsbeginn zu übermitteln sind, wird in den meisten Fällen die Frage der Vergütung erst im April 2018 bedeutsam. Lediglich in den Fällen, in denen die Behandlung mit Cannabinoiden vorher abgebrochen wird, stellt sich konkret die Frage nach der Vergütung. Betroffenen Ärzten bleibt allerdings nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis eine entsprechende EBM-Ziffer festgelegt wurde.

-Rainer Kuhlen ist Fachanwalt für Medizinrecht aus Vellmar.

So steht es im Gesetz -Der Anspruch -gesetzlich Versicherter auf eine Therapie mit Cannabispräparaten ist in Absatz 6 des § 31 SGB V geregelt.

-Darin ist auch die bis Ende März 2022 projektierte Begleiterhebung angesprochen. Ärzte, die Cannabispräparate verordnen, "übermitteln die für die Begleiterhebung erforderlichen Daten dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in anonymisierter Form".

-Datenumfang, -erfassung und Informationspflichten gegenüber den Patienten sind in der sogenannten "Cannabis- Begleiterhebungs-Verordnung" formuliert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tausende HPV-Tumoren pro Jahr sind vermeidbar

Viele Krebserkrankungen in Deutschland ließen sich durch einen HPV-Schutz vermeiden, so RKI-Berechnungen. Das Institut rät zum Impfen - das könnte auch bei Jungen sinnvoll sein. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »