Ärzte Zeitung online, 23.09.2018

E-Gesundheitsakte

"Vivy" unsicher? Betreiber wehrt sich

BERLIN. Nach dem Start der E-Gesundheitsakte "Vivy" am vergangenen Montag ist das Konzept der App im Netz als "Datenschutz-Bruchlandung" und "sehr wackelig" kritisiert worden. So gingen schon vor der Zustimmung zur Datenschutzerklärung bereits Daten an Tracking-Dienste. Auch die Debatte, ob Gesundheitsdaten aufgrund immer wieder auftretender Sicherheitslücken überhaupt auf einem Smartphone gespeichert werden sollten, ist wieder aufgeflammt.

Vivy weist die "grundsätzliche, pauschale Kritik zurück". Dabei gehe es um die Frage, "ob persönliche oder gesundheitsbezogene Daten überhaupt in Apps oder auf einem Smartphone gespeichert werden sollten". Diese Frage sei legitim, werde aber täglich durch Millionen Menschen, die ihr Smartphone nutzen, beantwortet.

"Vivy" ist eine Initiative von privaten und gesetzlichen Krankenversicherern, die ihren Versicherten eine qualitätsgesicherte und sichere Lösung in Deutschland anbieten wollen und nicht wollen, dass es nur Angebote zum Beispiel von Google oder Apple auf dem Markt gibt. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn "hat sich eine Lösung auf dem Smartphone oder Tablet gewünscht", heißt es auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

In den "wenigen Fällen", in denen Vivy mit Analyse-Tools zusammen arbeite, gehe es um technische Informationen wie verwendetes Smartphone Betriebssystem oder Auflösung. "Die Anzahl der Tools begrenzen wir auf das notwendige Maß und überprüfen sie stetig", heißt es weiter. Die Nutzung dieser Services diene dazu, feststellen zu können wo Anwender Probleme (zum Beispiel bei der Registrierung) haben. Nur so könne Vivy die technische Qualität kontinuierlich verbessern und sicherstellen, dass die Nutzung reibungslos funktioniere. Die Daten würden nur in pseudonymisierter Form verwendet.

"Gesundheitsdaten werden entgegen anderslautender Spekulation nicht verwendet", betont Vivy. "Ein vollständiger Verzicht auf diese Tools würde einen Verzicht auf Verlässlichkeit und technische Qualität der Vivy App bedeuten", betont das Unternehmen. Die Behauptung, Vivy finanziere sich auch durch die Weitergabe der Daten, "weisen wir entschieden zurück", heißt es in der Antwort auf die Anfrage weiter. Vivy finanziert sich über die Beiträge der Nutzer – für die meisten Nutzer ist Vivy kostenfrei, da die Versicherer im Konsortium diese Beiträge für ihre Kunden übernehmen.

"Das Konsortium aus GKVen und PKVen hat sich für Vivy entschieden, weil wir unseren Kunden eine seriöse App anbieten wollen, die zudem ein neues Gesundheitsökosystem etablieren kann, das den Patienten mit Praxen, Laboren, Krankenhäusern sowie Krankenkassen und -versicherungen verbindet", schreibt das Unternehmen. Zur Erinnerung: Die App steht seit vergangener Woche 13,5 Millionen gesetzlich und privat Versicherten zur Nutzung mit allen Funktionen zur Verfügung. (ger)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Mehr Handhygiene in der Kita – weniger Atemwegsinfekte

Handhygieneprogramme in Kitas, bei denen Desinfektionsmittel eingesetzt werden, tragen offenbar dazu bei, Atemwegsinfektionen bei unter Dreijährigen deutlich zu verringern. mehr »

Tipps zur COPD-Diagnostik

Viele COPD-Patienten werden als solche gar nicht erkannt, bei anderen wird die Diagnose vorschnell gefällt. Anlässlich des heutigen Welt-COPD-Tags erinnern wir an die neuen deutschen Leitlinien und grundlegende Änderungen. mehr »

Medikationspläne oft nicht genutzt

Medikationspläne – zumindest frei erstellte – verbessern die Arzneimittel-Therapiesicherheit wohl nicht wie erhofft. Das legt nun eine Studie der Uni Greifswald nahe. mehr »