Ärzte Zeitung, 28.01.2012

Lebensversicherung: Anlage mit Haken?

Die Verzinsung von Lebensversicherungen sinkt - und damit auch die Rendite. Für Anleger ist das nicht erfreulich. Kündigen ist keine wirkliche Alternative, da mit anderen Anlageformen derzeit ebenfalls wenig zu holen ist.

Von Anja Krüger und Herbert Fromme

Lebensversicherung - Anlage mit Haken?

Lebensversicherungen oder lieber Sparschwein?

© Joachim Wendler / fotolia.com

KÖLN. Ärzte müssen auch im kommenden Jahr mit einer sinkenden Verzinsung für ihre Lebens- oder private Rentenversicherung rechnen.

Bereits in diesem Jahr ist nach einer Untersuchung der Kölner Rating-Agentur Assekurata die durchschnittliche laufende Gewinnbeteiligung der Gesellschaften auf ein historisches Tief von 3,94 Prozent gefallen, nach 4,09 Prozent im Jahr 2011.

"Wir glauben, dass das Kapitalmarktumfeld so volatil ist, dass eher mit einer weiteren Senkung der laufenden Überschussbeteiligung zu rechnen ist", sagte Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will bei der Vorstellung der Studie in Köln.

Bei konventionellen kapitalbildenden Versicherungen legen die Unternehmen jeweils im Winter für das kommende Jahr die laufende Überschussbeteiligung fest. Sie gibt an, mit welchem Prozensatz die Gesellschaft die Beiträge des Kunden verzinst.

Nicht die gesamte gezahlte Prämie wird verzinst

Teil der Überschussbeteiligung ist die Garantieverzinsung. Sie gilt für die gesamte Vertragslaufzeit und gibt an, wie viel Geld der Arzt am Ende des Vertrags mindestens ausgezahlt bekommt.

Sie liegt zurzeit bei 1,75 Prozent. Die Versicherer verzinsen aber nicht die gesamte vom Arzt gezahlte Prämie, sondern ziehen vorher einen Teil für Vertrieb, Verwaltung und Risikoschutz ab.

Im Schnitt bleiben 80 Prozent der Prämie übrig, je nach Anbieter kann es aber erheblich mehr oder weniger sein.

Neben der Überschussbeteiligung erhalten Ärzte bei Vertragsende möglicherweise einen Schlussüberschussbonus und einen Anteil an den stillen Reserven, das sind Überschüsse aus der Differenz von Buch- und Marktwert zum Beispiel von Aktien. Alles zusammen ergibt die Gesamtverzinsung.

Gesamtverzinsung von 5,03 auf 4,75 Prozent gefallen

Sie ist von 5,03 Prozent auf 4,75 Prozent gefallen. "Große Gesellschaften haben gegenüber den kleineren etwas geringere Gesamtverzinsungen ausgewiesen", sagte Will.

Aufgrund der Intransparenz bei der Gesamtverzinsung hat Assekurata auch die Beitragsrenditen ermittelt. Bei neuen, über einen kurzen Zeitraum von zwölf Jahren laufenden Verträgen, erhält ein Kunde trotz Garantieverzinsung möglicherweise nicht einmal die eingezahlten Beiträge zurück.

Bei einer Laufzeit von 25 Jahren liegt die Beitragsrendite mindestens bei 0,92 Prozent. Hochgerechnet mit der derzeitigen durchschnittlichen Verzinsung würde die Beitragsrendite für dieses Beispiel 3,66 Prozent betragen.

Die rückläufige Verzinsung spiegele die Kapitalmarktentwicklung wieder, sagte Will. "Alle Unternehmen sind offensichtlich vom gleichen Phänomen betroffen, dem Niedrigzinsumfeld."

Die Lebensversicherer sind dazu gezwungen, den größten Teil ihres Kapitals in festverzinsliche und als sicher geltende Anlagen zu investieren.

Ärzteversicherung hat als einzige erhöht

Sie haben weniger als drei Prozent ihrer Kapitalanlagen in Aktien investiert, entsprechend wenig profitieren sie von steigenden Kursen.

Von 64 untersuchten privaten Rentenversicherern ist die zur Axa gehörende Deutsche Ärzteversicherung der einzige, der die laufende Verzinsung angehoben hat, und zwar um 0,05 Prozentpunkte auf 4,05 Prozent.

"Es handelt sich eher um einen optischen Effekt als um einen materiellen", sagte Will. "Die Deutsche Ärzteversicherung hat eine neue Kalkulation vorgenommen."

Trotz der mageren Verzinsung sollten Ärzte die Policen nicht kündigen."Es ist im Moment nicht klug, einen Lebensversicherungsvertrag aufzulösen", sagte Will. Denn dann stehe der Kunde vor dem Problem der Wiederanlage.

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