Ärzte Zeitung, 05.05.2017
 

Urologenverband

PSA-Test sollte vorerst IGeL bleiben

Nach aktueller Studienlage sehen Urologen den PSA-Test in neuem Licht. Die Datenlage sei noch nicht stark genug für ein positives GKV-Votum des GBA. Die Entscheidung über den Test sollte individuell von Arzt und Patient gemeinsam getroffen werden.

Von Matthias Wallenfels und von Hauke Gerlof

PSA-Test sollte vorerst IGeL bleiben

PSA-Wertbestimmung im Fachlabor: Nicht nur der Labortest, auch die Beratung kann abgerechnet werden.

© Mathias Ernert

BERLIN. Der PSA-Test ist eine klassische urologische IGeL, die auch von Hausärzten nicht selten angeboten wird. Diesen Status soll der Test bis auf Weiteres auch behalten, sagen die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) einvernehmlich. Beide Fachorganisationen haben nun im Vorfeld des 69. DGU-Kongresses im September in Dresden einen gemeinsamen Standpunkt zum Thema PSA veröffentlicht.

Die Neubewertung der PLCO-Studie im vergangenen Jahr (wir berichteten) habe in der Zusammenschau mit der aktualisierten Auswertung der ERSPC-Studie "international eine Neubewertung des Stellenwertes des PSA-Tests eingeleitet", wird DGU-Generalsekretär Professor Maurice Stephan Michel in einer Mitteilung zitiert.

Doch trotz seines verbesserten Rufs bleibt der PSA-Test auch nach aktueller Einschätzung von DGU und BDU ein zweischneidiges Instrument, dessen Einsatz im Spagat zwischen Nutzen und Folgen wohl abgewogen sein sollte – "in einer individuellen Entscheidung des durch einen Facharzt/eine Fachärztin für Urologie gut informierten Patienten", wie die Verbände betonen. "Für eine allgemeine Screening-Empfehlung ist die Zeit noch nicht reif", betont BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder.

Dennoch haben Deutschlands Urologen eine klare Empfehlung, wann der PSA-Wert mit einem Patienten, der den Wunsch nach einer Früherkennungsuntersuchung hat, erörtert werden sollte. "Der so genannte Baseline-PSA im Alter von 40 oder 45 Jahren gibt eine gute Information über das individuelle Risiko, irgendwann später an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Je nach Höhe dieses Wertes, insbesondere wenn bei jüngeren Männern in der Familie ein Prostatakarzinom bereits vorkam, kann angemessen reagiert werden", sagt DGU-Präsident Professor Tilman Kälble.

Von dieser Konstellation hingen auch die sinnvollen Kontrollintervalle ab, die bis zu fünf Jahre betragen und lebensrettend sein könnten, so die Empfehlung der beiden Organisationen. Neben dieser Baseline-PSA-Bestimmung erscheint eine Testung zwischen dem 55. und 70. Lebensjahr das Risiko einer Übertherapie eindämmen zu können. Das sehe die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) inzwischen ähnlich. Sie hat ihr negatives Urteil aus dem Jahre 2012 aktuell relativiert: Risiken und Nutzen seien demnach fast ausgeglichen; Männer zwischen 55 und 69 Jahren sollten daher gemeinsam mit ihrem Arzt eine individuelle Entscheidung darüber treffen, ob der PSA-Test gemacht werden soll oder nicht.

Die Forderung nach dem PSA-Test auf Kasse erheben die Urologen letztlich noch nicht. Sie wollen abwarten, bis die Datenlage so stark ist, dass die Aussichten auf ein positives Votum des GBA hoch genug sind. "Bis dahin wollen wir weiter gemeinsam an der öffentlichen Wahrnehmung und objektiven Einschätzung und Bedeutung des PSA-Wertes arbeiten, aber auch alternative Früherkennungsuntersuchungen des Prostatakarzinoms wissenschaftlich weiter untersuchen", sagt DGU-Pressesprecher Professor Christian Wülfing.

Infos zum 69. DGU-Kongress in Dresden: www.dgu-kongress.de

Abrechnung des PSA-Tests

- Der PSA-Test kann nicht über den EBM abgerechnet werden, weil er keine Kassenleistung ist. Bei Kassenpatienten ist er damit als IGeL zu erbringen.

- Die Bestimmung des PSA-Wertes wird abgerechnet nach GOÄ-Nr. 3908.H3 – allerdings nur dann, wenn sie selbst in der Praxis erbracht wird. Wenn nicht, rechnet das beauftragte Labor ab.

- Außer der Laborleistung können Ärzte die Blutabnahme (GOÄ-Nr. 250) und die Aufklärung sowie die Beratung über den Befund abrechnen (GOÄ-Nr. 1 oder 3, je nach Dauer des Gesprächs).

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