Ärzte Zeitung online, 08.08.2017
 

Arztbewertung

Portale werden immer wichtiger

In den vergangenen zehn Jahren haben sich Arztbewertungsportale zu einem etablierten Praxismarketinginstrument gemausert. Wie eine aktuelle Befragung zeigt, klaffen die Erwartungen von Patienten und Ärzten aber teils auseinander.

Von Christina Bauer

Portale werden immer wichtiger

Krank? Vor dem Arztbesuch schauen immer mehr Patienten im Web nach Bewertungen niedergelassener Ärzte.

© rauf_ashrafov / stock.adobe.com

MÜNCHEN. Arztbewertungsportale sind für Ärzte in der vergangenen Dekade zum "entscheidenden Wettbewerbsfaktor" geworden. Dieser Ansicht ist zumindest Dr. Florian Weiß, Geschäftsführer des Anbieters jameda, mit rund 275.000 erfassten Medizinern nach eigenen Angaben Deutschlands größtes Arztbewertungsportal.

95 %

der Teilnehmer einer Patientenbefragung gaben an, Arztbewertungen vor allem mit dem Ziel zu tätigen, dass sich andere Patienten orientieren können. Die Befragung war nicht repräsentativ.

Wie eine aktuelle Befragung unter mehr als 7700 bei jameda registrierten Patienten ergab – Mehrfachnennungen waren möglich –, nutzen 65 Prozent von ihnen Bewertungsportale für die Arztsuche, wie Weiß vor Kurzem in der bayerischen Kapitale vor Journalisten bei der Vorstellung der Studienergebnisse hervorhob. 61 Prozent fragen Freunde oder Familie oder suchen allgemein im Internet (52 Prozent).

Patienten als Ratgeber gesucht

Wie Weiß verdeutlichte, erleichtern Bewertungsportale 87 Prozent der Befragten die Arztsuche. Bei der Arztwahl gälten für 53 Prozent andere Patienten als besonders vertrauenswürdige Ratgeber. Nur auf Freunde und Familie treffe das mit 67 Prozent noch stärker zu. Vier von fünf Patienten glaubten, so Weiß, dass die Bewertungen in Arztportalen im Wesentlichen aussagekräftig sind. Immerhin jedem Dritten sei wichtig, eigene Arzt-Erfahrungen mit anderen teilen zu können.

Sowohl Patienten (85 Prozent) als auch Ärzte (87 Prozent) hielten es für wichtig, dass sich Ärzte in Arztbewertungsportalen präsentieren. Konkret erstellt mit 53 Prozent jeder zweite Arzt der mehr als 2000 befragten, ebenfalls bei jameda registrierten Mediziner einen Eintrag, um Patienten zu akquirieren. Etwa die Hälfte sieht es zudem positiv, dass Patienten sie bewerten können. 63 Prozent schätzen die bessere Online-Sichtbarkeit durch Portale. 70 Prozent setzen zudem auf eine eigene Website.

85 Prozent der Ärzte denken, Portale generierten zum Leistungsspektrum „passende“ Patientenströme. Patienten schreiben vor allem Bewertungen, damit sich andere leichter orientieren können (95 Prozent). Zudem „bedanken“ sich immerhin vier von fünf Portal-Nutzern bei Ärzten mit guten Beurteilungen. Insgesamt ist das Verhältnis von positivem zu negativem Feedback vier zu eins. Dabei sehen Ärzte (92 Prozent) die Rückmeldungen sogar als hilfreicher als die Patienten selbst (82 Prozent) an, um ihre Arbeit zu verbessern.

Transparenz spaltet Ärzte und User

Dass Online-Bewertungen helfen, die Versorgungsqualität transparenter zu machen, denken aber vor allem Patienten (88 Prozent). Bei den Ärzten ist nur etwa jeder Zweite dieser Meinung (58 Prozent). Die Befragung wurde von Mai bis Juli online unter jameda-Nutzern durchgeführt. Derzeit suchen jeden Monat etwa sechs Millionen Patienten bei jameda einen Arzt. Bisher sind 1,8 Millionen Arztbewertungen erfasst.

Wie Weiß vor Kurzem gegenüber der "Ärzte Zeitung" spekulierte, könnte in Zukunft auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz die Arztsuche erleichtern – durch die Identifikation geeigneter Experten für die jeweilige Suchanfrage.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Patientenvoten im Steilflug

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »