Ärzte Zeitung, 09.11.2016
 

In der Praxis

"Junge Ärzte bringen neue Impulse!"

Der bekannte Erziehungswissenschaftler Professor Klaus Hurrelmann erklärte, welche Eigenschaften junge Ärzte beisteuern können.

SCHWEINFURT. Wie "tickt" die junge Ärztegeneration? Diese Frage stellte Erziehungswissenschaftler Professor Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance jüngst in den Mittelpunkt seines Vortrags beim Bayerischen Ärztetag in Schweinfurt.

Zugrunde legte Hurrelmann dabei sein Modell der produktiven Realitätsverarbeitung, das erforschen will, wie es dem Individuum gelingen kann, sich in die Gesellschaft zu integrieren und dabei trotzdem noch eine handlungsfähige und individuelle Persönlichkeit zu bleiben.

Wie sich verschiedene Generationen mit wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen auseinandersetzen, ändere sich etwa in 15-Jahres-Zeiträumen, erklärte Hurrelmann.

"Es ist nichts sicher"

Die als Generation Y bezeichneten, etwa zwischen 1985 bis 2000 Geborenen, seien die erste Generation, für die eine globalisierte, eng vernetzte Welt und interaktive Medien wie das Internet zum Alltag gehörten. Und die durch weltweite politische Erschütterungen und Krisen immer wieder mit Unsicherheiten konfrontiert seien.

Eine typische Haltung sei daher in der jungen Generation: "Es ist nichts sicher, aber es geht immer weiter", sagte der Erziehungswissenschaftler. Insofern seien genaue Kosten-Nutzen-Abwägungen, hohe Flexibilität, das Offenhalten von Möglichkeiten und das Aufschieben von Entscheidungen üblich.

Grundsätzlich würden die jungen Leute hohe Bildungsabschlüsse anstreben. Junge Berufstätige wollten "Erfüllung in ihrer Arbeit finden, ohne sich davon aufsaugen zu lassen". Eine Trennung von Beruflichem und Privatem sei kaum noch relevant, vielmehr sei eine Fusion zu beobachten.

Arztberuf "kluge Entscheidung"

Wichtig sei auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Arzt zu werden gelte generell als "kluge Entscheidung".

Kooperationen stehen laut Hurrelmann bei den jungen Leuten hoch im Kurs. Ein mögliches Lösungskonzept für ländliche Regionen seien deshalb auch multidisziplinäre Versorgungszentren statt Einzelpraxen.

Wegen der veränderten Maßstäbe und dem Hinterfragen von Anforderungen könne es aber möglicherweise zukünftig Probleme geben, Leitungsfunktionen zu besetzen.

Doch allzu düster wollte Hurrelmann die Zukunft dann doch nicht malen. Vieles, was die junge Generation mitbringe, könne sich positiv auf die ärztliche Arbeit auswirken. So brächten die Nachwuchsmediziner zum Beispiel Eigenschaften moderner Berufsgestaltung mit, wie flache Hierarchien, Partizipation, Potenzialentwicklung, Teamarbeit, Qualitätsmanagement sowie ständige Fort- und Weiterbildung.

"Wenn die Praxis es schafft, die jungen Leute zu gewinnen, hat sie davon etwas", so Hurrelmann. Die ältere Medizinergeneration, die in einigen Dingen oft andere Maßstäbe habe, solle daher offen sein für Impulse und "die jungen Leuten mitgestalten lassen". (cmb/aze)

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