Ärzte Zeitung online, 11.05.2018

Demo

"Herr Spahn, bitte Reform starten"

Angehende Psychotherapeuten und Studierende machen gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen mobil.

NEU-ISENBURG. Raus aus dem Praktikantenstatus: Die angehenden Psychotherapeuten und Studierenden fordern von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine rasche Umsetzung der Reform der Psychotherapeuten-Ausbildung.

Seit 1999 müssten angehende Psychotherapeuten in psychiatrischen oder psychosomatischen Einrichtungen arbeiten, häufig ohne arbeitsrechtlichen Status und nicht selten ohne jegliche Bezahlung, monieren das PiA-Forum Berlin (die Berliner Vertretung der Psychotherapeuten in Ausbildung) und die Psychologie Fachschaftenkonferenz (PsyFaKo). Und dies obwohl sie ein Studium der Psychologie oder Pädagogik abgeschlossen hätten. Zu dem Verdienstausfall von 1,5 Jahren kämen zusätzlich noch einmal ca. 20.000 bis 45.000 Euro Ausbildungsgebühren hinzu, die an die privaten Ausbildungsträger gezahlt werden müssten.

In zwölf Städten, unter anderem in Berlin vor dem Bundesgesundheitsministerium (BMG), haben daher vor etwas mehr als einer Woche hunderte Studenten und angehende Psychotherapeuten demonstriert. "Hey Jens Spahn, fang mit der Reform jetzt an!", skandierten sie vor dem BMG.

"Schon in der letzten Legislaturperiode wurde unsere Reform hintenangestellt. Dieses Mal wollen wir ganz oben auf die Agenda, damit sich endlich wirklich etwas verbessert" so Clara Carvalho Hilje von der PsyFaKo. "Die lückenhaften rechtlichen Grundlagen unserer Ausbildung führen zu einer extremen Ausbeutung der Ausbildungsteilnehmer in den Kliniken", ergänzt Katharina Simons vom PiA-Forum Berlin. Diese "häufig sittenwidrige Beschäftigung" solle endlich durch den Gesetzgeber unterbunden werden.

Neben einer schnellen Umsetzung der Reform wünschen sich die Nachwuchs-Psychotherapeuten aber auch:

  • eine stärkere Einbindung in den Reformprozess,
  • eine Übergangsregelung bis zur Ausbildungsreform und
  • die Einführung des Masterniveaus als einheitliche Zulassungsvoraussetzung zur Ausbildung.
  • Die Forderungen werden übrigens von den Berufs- und Fachverbänden unterstützt. (eb/reh)

    Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Überschrift

    Text

    Die Newsletter der Ärzte Zeitung

    Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

    NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

    Vom Chefarzt zum Hausarzt-Assistenten

    Selten dürfte es sein, wenn nicht einmalig: Dr. Roger Kuhn hat seinen Chefarztposten im Krankenhaus aufgegeben, um in einer Hausarztpraxis zu arbeiten – als Assistent. mehr »

    Keine Notdienstpflicht für ermächtigte Krankenhausärzte

    Muss ein ermächtigter Klinikarzt auch KV-Notdienst leisten? Nein, hat das Bundessozialgericht jetzt entschieden. mehr »

    Wenn die Depressions-App zweimal klingelt

    Smartphone-Apps könnten helfen, eine beginnende Depression oder ein hohes Suizidrisiko aufzuspüren. Lernfähige Algorithmen könnten ein verändertes Nutzerverhalten erkennen – und notfalls Alarm schlagen. mehr »
    Serie: Wegweiser Weiterbildung