Ärzte Zeitung online, 30.05.2019

Digitalisierung

Bündnis Junge Ärzte will KI den Weg weisen

Technologien, die auf die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz (KI) setzen, finden im Gesundheitswesen immer breitere Anwendung. Das Bündnis Junge Ärzte forder, dass Ärzte sich mit dem Thema noch stärker als bisher auseinanderzusetzen.

Von Daniel Burghardt

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Quo vadis KI? Noch kann der Mensch bestimmen.

© Konstantin Hermann / stock.adobe.com

BERLIN. Welche Zukunft bringen Technologien, die auf die Unterstützung Künstlicher Intelligenz (KI) setzen? Die Ausrichtung und Integration entsprechender Lösungen jedenfalls will das Bündnis Junger Ärzte (BJÄ) aktiv mitgestalten, wie der Zusammenschluss von Nachwuchsmedizinern in seiner jüngsten Stellungnahme bekräftigt.

„KI wird den Arbeitsalltag der heute jungen Ärztinnen und Ärzte maßgeblich verändern. Daher ist es umso wichtiger, dass wir Einfluss darauf nehmen, wie unsere Zukunft aussehen wird“, wird Mira Faßbach, Sprecherin des Bündnisses, zitiert.

Das BJÄ, das insgesamt 22 Verbände und Fachgesellschaften repräsentiert, verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, „die Patientenversorgung nach modernen und ethischen Gesichtspunkten zu verbessern und Berufsbedingungen für eine Medizin der Zukunft zu gestalten“.

KI könne Mediziner etwa bei Routine- und Recherchetätigkeiten entlasten und dabei helfen, die Lebenswirklichkeit des Patienten besser zu erfassen, etwa mithilfe von Gesundheitsdaten aus Apps und Wearables.

Ärzte seien für Patienten jedoch weiterhin wichtige Bezugs- und Vertrauensperson, betonen die Bündnis-Mitglieder in ihrer Stellungnahme. Der persönliche Patientenkontakt „ist und bleibt der Goldstandard – Empathie und Fürsorge sind die höchsten Güter.“

"Kritisch offen"

Das BJÄ sei „kritisch offen“ für KI, solange diese eine Verbesserung in der Patientenversorgung und für die Patientensicherheit bedeute.

Ohne Aufklärung und Beteiligung der Ärzte, wie es weiter heißt, könnten Unternehmen „uns in der Implementation von Künstlicher Intelligenz schon bald überholt haben“. Gesundheitspolitik, Kliniken und Ärzteschaft seien daher gefragt, sich stärker mit dem Thema auseinanderzusetzen.

„Wir fordern die verfasste Ärzteschaft zu einer kritischen und dennoch positiven Debatte zur Künstlichen Intelligenz auf und stehen bereit, diese mitzugestalten“, betont Bündnismitglied Max Tischler, Assistenzarzt Dermatologie und stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Junge Ärzte der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

Das BJÄ spricht sich für deutschlandweite Zulassungskriterien aus, etwa durch ein KI-Qualitätssiegel, das Faktoren wie Interoperabilität und Datensicherheit prüfen solle. Die Anwendung und Entwicklung von KI empfehle das Bündnis, sofern diese einen „transparenten, evidenzbasierten und ärztlich begleiteten Validierungsprozess“ durchlaufen habe.

Eckpunktepapier der Bundesregierung

Eine ähnliche Strategie hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr in einem Eckpunktepapier verankert. Demnach könne KI dabei helfen, neue Einsichten in die Entstehung und Verbreitung von Krankheiten zu gewinnen, diese schneller zu erkennen und individuell zu behandeln.

Der Anspruch: Deutschland solle zum weltweit führenden Standort für KI werden, insbesondere durch einen umfassenden und schnellen Transfer von Forschungsergebnissen in Anwendungen sowie die Modernisierung der Verwaltung. „Artificial Intelligence (AI) made in Germany“ soll zum weltweit anerkannten Gütesiegel werden, so der Auftrag des Bundes an Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Erst kürzlich haben zudem auf internationaler Ebene 36 OECD- und weitere Staaten KI-Leitlinien verabschiedet, die Nationen Rahmenempfehlungen zum Umgang mit KI geben sollen und sich nach eigenen Angaben an Leitlinien orientieren, die die EU derzeit erarbeitet.

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