Ärzte Zeitung, 03.07.2015

Martiniklinik

Juwel am Hamburger UKE

Sie ist die renditestärkste Tochter am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: Zehn Jahre nach Eröffnung hat sich die Martini-Klinik weltweit einen Namen gemacht und sorgt für stabile Einnahmen.

HAMBURG. Wer über das Gelände des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) mit den vielen neuen und modernen Einrichtungen geht, würde die Martini-Klinik nicht ausgerechnet in dem Altbau mit der Nummer 46 auf dem östlichen Flügel des weiträumigen Geländes vermuten.

Das unscheinbare Gebäude ist schließlich Anlaufpunkt für zahlreiche zahlungskräftige Patienten aus dem In- und Ausland.

Faculty-Prinzip nach US-Vorbild

Doch der äußere Schein trügt: Das medizinische Personal in der Martini-Klinik erfüllt modernste medizinische und organisatorische Ansprüche. Statt strenger Hierarchien setzt die Klinik auf ein Faculty-Prinzip nach amerikanischem Vorbild, das alle zehn leitenden Ärzte neben Initiator Professor Hartwig Huland auf Augenhöhe bringt.

Sie entscheiden gemeinsam über Behandlungen, werten die Ergebnisse ihrer Operationen aus und lernen voneinander. Jeder von ihnen ist auf bestimmte Therapie- oder Forschungsbereiche fokussiert. Nach jedem gemeinsam besprochenen Fall besteht damit die Chance, die Kompetenz zu erhöhen.

Ausgefeiltes Qualitätsmanagement

Auch beim Honorar bleiben sie auf Augenhöhe: Neben einem normalen Oberarzt-Basisgehalt zahlt die Klinik Geld in einen Pool, der am Jahresende unter den Mitgliedern der Faculty verteilt wird. Der Schlüssel dafür berücksichtigt unter anderem die Ergebnisqualität mit Kriterien wie etwa Kontinenzrate der operierten Patienten.

Zum zehnjährigen Bestehen ist Geschäftsführer Dr. Detlef Loppow sicher, dass dieses Prinzip erheblich zum Erfolg der Martini-Klinik beigetragen hat. Kein Zentrum macht weltweit so viele Prostata-Eingriffe wie die Spezialklinik am UKE.

Jährlich rund 2200 Mal entfernen die Spezialisten eine Prostata und liegen damit deutlich vor allen weiteren Spezialkliniken. Grundlage der Arbeit ist eine Datenbank, in der alle Qualitäts- und Behandlungsergebnisse gesammelt und ausgewertet werden. Wenn ein Operateur von den Ergebnissen der anderen nach oben oder unten abweicht, wird nach Ursachen geforscht und nachgebessert.

"Das funktioniert auch dann, wenn ein junger Arzt etwas besser macht als erfahrene Kollegen. Auf diese Weise lernt jeder von jedem", sagt Loppow. Die Dokumentation reicht so weit, dass die Patienten auch Jahre nach dem Eingriff noch Auskunft geben zu Lebensqualität, Kontinenz und Potenz.

Das Faculty-Prinzip ist für Loppow nicht nur der Schlüssel für eine hohe Qualität, sondern auch für eine geringe Ärzte-Fluktuation. Die Gleichstellung verhindert, dass Chefarztstellen an anderen Kliniken attraktiver erscheinen.

"Das Faculty-System hilft uns, begabte Operateure langfristig an die Klinik zu binden und schafft ein Umfeld mit verschieden spezialisierten Fachleuten, die sich gegenseitig förderlich ergänzen und im Team weiterentwickeln können, als es in einer solitären Chefarztposition möglich wäre", beschreibt Loppow das Prinzip.

Die Zahlen, die er nach zehn Jahren Martini-Klinik vorlegt, sind auch wirtschaftlich beeindruckend. Der Umsatz der Spezialklinik kletterte im vergangenen Jahr auf 23 Millionen Euro, in diesem Jahr wird es erneut mehr.

Vom ersten Jahr an hat die Klinik immer einen Überschuss erwirtschaftet - insgesamt waren es bislang 23,5 Millionen Euro. Damit ist das Haus laut Loppow die "renditestärkste Tochter" des UKE.

Zur Hälfte Privatpatienten

Die Einrichtung behandelt heute zur Hälfte Privatpatienten - davon viele aus dem Ausland - und zur Hälfte gesetzlich Versicherte, deren Behandlungen über IV-Verträge abgedeckt sind. Zunehmend beliebt sind insbesondere bei ausländischen Patienten die daVinci-Operationen.

Diese bietet die Klinik nach Angaben Loppows nur aus Marketinggründen an - denn die Ergebnisqualität der Operateure in seinem Haus, versichert er, ist nicht geringer als die der Roboter. Weil bei dieser Technik mehr Materialaufwand erforderlich ist, sind die Eingriffe für die Patienten rund 2000 Euro teurer.

Neben weiteren angestrebten Verstärkungen unter anderem in der Diagnostik stehen langfristig auch Veränderungen am äußeren Erscheinungsbild an. Spätestens im Jahr 2020 will Loppow einen Neubau realisieren und das unscheinbare Gebäude verlassen haben. (di)

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