Ärzte Zeitung online, 07.08.2017

Hygiene

Klinikkeime: Silber als Wunderwaffe?

Krankenhäuser verfolgen allerlei Strategien im Kampf gegen nosokomiale Infektionen. Das Uniklinikum Regensburg testet nun im Rahmen der "NE-Offensive" den Einsatz antimikrobieller Oberflächenbeschichtungen in der Notaufnahme.

Von Matthias Wallenfels

Klinikkeime: Silber als Wunderwaffe?

Antimikrobielle Oberflächen – zum Beispiel bei Mülleimerklappen – sollen am Uniklinikum Regensburg nosokomialen Infektionen vorbeugen helfen.

© UKR

REGENSBURG. Kliniken scheuen – nicht zuletzt wegen potenzieller Imageschäden – nosokomiale Infektionen wie der Teufel das Weihwasser. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) taxiert die Zahl der Krankenhausinfektionen auf 700.000 bis eine Million pro Jahr – mit bis zu 30.000 darauf zurückzuführenden Todesfällen. Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) will nun mittels Nanosilberpartikeln den nosokomialen Infektionen den Garaus machen – und so für mehr Patientensicherheit sorgen.

Dieser Tage hat das UKR, an dem die bayernweit erste Professur für Krankenhaushygiene angesiedelt ist, nun die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 648.000 Euro geförderte "NE-Offensive" gestartet. Ziel ist es, innerhalb der nächsten zwei Jahre zu untersuchen, ob Patienten durch den Einsatz antimikrobieller Oberflächenbeschichtungen künftig besser vor nosokomialen Erregern und Infektionen geschützt werden können.

Regelmäßige Erfolgskontrolle

Für das Forschungsprojekt sollen auf Nanosilberpartikeln basierende antimikrobielle Oberflächenbeschichtungen getestet werden. Diese werden laut UKR – zunächst beschränkt auf stark frequentierte Bereiche der Notaufnahme – auf besonders keimbelastete oder schwer zu reinigende Oberflächen wie Türgriffe, Schubladen oder Mülleimerdeckel angebracht. Dort sollen sie bereits beim Erstkontakt des Patienten mit dem Krankenhaus aggressiven Erregern entgegenwirken. Durch eine regelmäßige Bestimmung der Keimbelastung auf den beschichteten und unbeschichteten Oberflächen könne der Erfolg gemessen werden.

Die Beschichtungen werden dabei ergänzend zu den bereits bestehenden, umfangreichen Hygiene- und Reinigungsmaßnahmen am UKR implementiert, um die Anzahl an Keimen speziell an besonders kritischen Stellen von vornherein gering zu halten, so das UKR.

Das Forschungsprojekt ist nach Angaben der Universität von der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie am UKR in Kooperation mit der Interdisziplinären Notaufnahme, dem Institut für Mikrobiologie und Hygiene, der Klinik und Poliklinik für Dermatologie sowie dem Zentrum für Klinische Studien entwickelt worden. Mit dabei ist auch das Regensburger Nanotechnologieunternehmen RAS

Finnische Klinik setzt auf Kupfer

Silber ist nicht der einzige Hoffnungsträger im Kampf gegen Klinikkeime. So setzt zum Beispiel das Jorvi Hospital im finnischen Espoo nach Angaben des Deutschen Kupferinstituts in Düsseldorf als erste Klinik weltweit auf Kupfer, um die Keimübertragung im patientennahen Umfeld zu reduzieren.

In Saarbrücken haben Forscher des INM - Leibniz-Instituts für Neue Materialien vor Kurzem nach eigener Aussage antimikrobielle, abriebfeste Beschichtungen sowohl mit Silber-, als auch mit Kupferkolloiden hergestellt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Parodontitis als Risikofaktor für Krebs?

Ist eine Zahnbettentzündung ein Risikofaktor für bestimmte Krebsarten? Innerhalb einer großen Gruppe Frauen in der Menopause haben Forscher deutliche Zusammenhänge gefunden. mehr »

Kinder suchtkranker Eltern brauchen mehr Beachtung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, fordert eine bessere Versorgung und Betreuung der Kinder von Suchtkranken. Kinder von Suchtkranken sind diesmal Schwerpunkt des Drogenberichts. mehr »

Hilfe für die Seele gefordert

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock. Die Psychoonkologie soll helfen. Aber die Unterstützung ist wenig bekannt und unterfinanziert. mehr »