Ärzte Zeitung online, 23.05.2019

Evangelischen Krankenhaus Hamm

So klappt's mit dem Entlassplan

Im Evangelischen Krankenhaus Hamm wurde das Entlassmanagement mit erheblichem Aufwand verbessert. Mit dem Ergebnis sind alle Seiten zufrieden.

Von Ilse Schlingensiepen

HAMM. So sollte es nicht laufen: Der Sozialdienst des Evangelischen Krankenhauses Hamm stellt bei der Krankenkasse einen Antrag auf Feststellung der Pflegebedürftigkeit für einen älteren Patienten, der bald aus der Klinik entlassen wird und zu Hause nicht versorgt werden kann.

Die Kasse antwortet, schickt den Brief aber an die Adresse des Patienten. Die für das Entlassmanagement Zuständigen sitzen auf heißen Kohlen, denn sie wollen die Unterbringung des Patienten in einer Pflegeeinrichtung organisieren.

Zum Glück passiert so etwas nur selten, berichtet Robert Held, Leiter des Sozialdienstes. „Im Allgemeinen ist die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen gut.“

Die meisten Kassenmitarbeiter haben inzwischen verstanden, wie wichtig ein gut funktionierendes Entlassmanagement ist.

Seit dem 1. Oktober 2017 sind Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, für einen nahtlosen Übergang von Patienten in die nachfolgenden Versorgungsbereiche zu sorgen.

Sie sollen den individuellen Bedarf der Patienten frühzeitig erfassen und einen Entlassplan aufstellen.

Neue Strukturen geschaffen

Natürlich haben sich die Mitarbeiter des Sozialdienstes früher schon darum gekümmert, dass Patienten nach dem stationären Aufenthalt gut weiter versorgt werden. Aber vieles läuft inzwischen standardisierter ab. Der Entlassplan und die Arztbriefe sind jetzt EDV-gestützt. „Alle nachversorgenden Stellen erhalten zumindest einen vorläufigen Entlassbrief“, sagt Held.

Um den vielseitigen Herausforderungen gerecht werden zu können, sind im Evangelischen Krankenhaus Hamm die Pflegeüberleitung und die familiale Pflege in den Sozialdienst integriert worden. In dem Haus mit 464 Betten umfasst der Bereich vier Vollzeitstellen.

„Der Sozialdienst ist personell aufgestockt worden.“ Um das Entlassmanagement kümmern sich nicht nur Sozialarbeiter, sondern auch speziell weitergebildete Krankenschwestern, die zum Beispiel eine Zusatzausbildung im Case Management haben. „Wir haben einen ganzheitlichen Blick auf die Patienten“, betont der Leiter.

Sozialdienst wird früh beteiligt

Bei der Aufnahme ins Krankenhaus werden die Patienten darüber aufgeklärt, was das Entlassmanagement ist. Da persönliche Daten weitergegeben werden, müssen sie eine Einwilligung unterzeichnen.

Nach Angaben von Held ist es bislang noch nicht passiert, dass sich Patienten oder Angehörige dem Angebot verweigern.

Über ein Assessment klären die Pflegenden und Ärzte, ob ein besonderer Handlungsbedarf besteht. Dann wird der Sozialdienst eingeschaltet, damit er sich frühzeitig um die erforderlichen Schritte kümmern und etwa einen ambulanten Pflegedienst einschalten kann. „Nach Rücksprache mit den Pflegenden und den Ärzten organisieren wir auch Pflegehilfsmittel“, sagt er.

Held und sein Team kümmern sich auch um Patienten mit komplexem Versorgungsbedarf, etwa mit onkologischen Erkrankungen. Die Mitarbeiter müssen mit Home Care-Versorgern in Kontakt treten und die parenterale Ernährung oder die Sauerstoff-Versorgung sicherstellen. „Wir haben dafür ein Netzwerk aufgebaut“, sagt er. Bei Palliativpatienten stellen die Entlassmanager den Kontakt zu einem Hospiz oder einem ambulanten Hospizdienst her.

Im Jahr 2018 hat sich das Team vom Sozialdienst um eine gute Weiterversorgung von 1800 Patienten gekümmert, darunter viele ältere Menschen. Das waren zwölf Prozent der gesetzlich Versicherten, die einen Anspruch auf das Entlassmanagement haben.

"Es muss in Fleisch und Blut übergehen"

Die Implementation der Strukturen war nach Angaben von Held mit einem nicht unerheblichen Arbeitsaufwand verbunden, beginnend mit der Prozessanalyse über das Audit durch das Qualitätsmanagement bis hin zur IT-Umstellung.

Die Mitarbeiter der Klinik sind intensiv geschult worden. So sind die Ärzte mit den neuen Möglichkeiten der Verordnung von Medikamenten vertraut gemacht worden. Die Schulungen laufen weiter, gerade für neue Mitarbeiter.

Das Entlassmanagement sollte nach Helds Erfahrung auf der strategischen Ebene angesiedelt werden. „Das ganze Haus muss mitziehen.“ In Hamm läuft das schon ganz gut, aber es gibt noch Luft nach oben. „Das Thema muss noch stärker in die Köpfe“, wünscht sich Held.

Damit Ärzte und Pfleger die Möglichkeiten des professionellen Entlassmanagements aktiver nutzen, gehen er und seine Mitarbeiter häufig auf die Stationen. „Es muss in Fleisch und Blut übergehen, dass wir frühzeitig eingeschaltet werden.“

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