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Forschung

EU-Gelder sollen Organ-Imitate vorantreiben

Winzige Organ-on-a-Chip-Systeme gelten als Hoffnungsträger der Medizin. Ein neues EU-Projekt soll die innovative Technik nun fördern – zum Beispiel für den Einsatz in der personalisierten Medizin.

Von Christina Bauer Veröffentlicht:
Mikrophysiologisches Organ-on-a-Chip-System im Labor.

Mikrophysiologisches Organ-on-a-Chip-System im Labor.

© Fraunhofer IGB

STUTTGART. Die EU soll eine Strategie und Strukturen für Organ-on-Chip-Technologien erhalten. Das ist das Ziel des neuen Projekts "ORgan-on-CHip In Development" (ORCHID), wie das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) in einer Meldung mitteilt.

Das Projektkonsortium umfasse sechs Forschungseinrichtungen aus fünf EU-Ländern. Die Leitung haben laut IGB zwei Institutionen aus den Niederlanden inne – das Medical Center der Universität Leiden, sowie das Institute for human Organ and Disease Model Technologies (hDMT). In Deutschland beteiligt sich das Fraunhofer-IGB. Das ORCHID-Projekt erhalte in den nächsten zwei Jahren 500.000 Euro Fördergelder von der EU.

Mini-Organe

Organ-on-Chips sind laut Fraunhofer IGB dem menschlichen Organismus nachempfundene Mini-Organe, die auf Konzepten der Mikrofluidik und Mikrotechnologie basieren. Bereits heute bietet diese Technologie neue Möglichkeiten für die Wirkstoffforschung und stellt eine Alternative zu herkömmlichen Tierversuchen dar.

Das Vorhaben soll dazu beitragen, unterschiedliche Akteure im Bereich Organ-on-a-Chip besser zu vernetzen. Die Weiterentwicklung und Implementation entsprechender Technologien sollen gefördert werden. Dafür sollen geeignete Strukturen geschaffen werden. Unter anderem soll eine Plattform eingerichtet werden, die über neue Entwicklungen informiert.

Sie soll zugleich den direkten Austausch zwischen Forschern, Anwendern, Firmen und Förderern ermöglichen. Innovationen sollen dadurch schneller implementiert, Kooperationen und Weiterentwicklungen ermöglicht werden. "Ziel des Konsortiums ist es, der Organ-on-a-Chip-Technologie auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene durch koordiniertes Handeln zum Durchbruch zu verhelfen", so das Fraunhofer IGB laut Mitteilung.

Wissenschaftler unterschiedlicher Länder hätten in den vergangenen Jahren immer effizientere Organ-on-Chip-Technologien entwickelt. Dabei würden Teile des menschlichen Organismus und Stoffwechsels in Kleinstform auf speziellen Biochips nachgebildet.

Die Mikroorgane und Gewebe würden aus geeigneten, menschlichen Zellen gezüchtet. Sie bildeten beispielsweise die Struktur und Funktion von Leber, Herz, Lunge, Niere oder Gehirn nach.

Spezifische Flüssigkeiten und winzige Kanülen ermöglichen laut IGB das Verknüpfen solcher Mikroorgane und das Nachbilden von Blutkreisläufen. Auch erkrankte Gewebe, etwa Krebstumoren, können mit einem solchen Verfahren nachgebildet werden.

Die simulierten Organsysteme können unter anderem in der medizinischen Wirkstoffforschung eingesetzt werden. Weitere Anwendungsfelder sind personalisierte Medizin und Sicherheitsprüfungen für Chemikalien oder andere Stoffe. Organs-on-Chips können dabei auch viele bisher verwendete Tierversuche ersetzen.

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