Ärzte Zeitung online, 23.11.2018

Bürokratieindex

Delegieren und digitalisieren – das muss die Devise sein

Ein Kommentar von Hauke Gerlof

hauke.gerlof

Schreiben Sie dem Autor hauke.gerlof@springer.com

Also doch mehr statt weniger Verwaltung. Insgesamt 54,5 Millionen Nettoarbeitsstunden haben Ärzte 2018 damit verbracht, bürokratische Pflichten zu erfüllen – das sind laut Bürokratieindex BIX 323.000 Stunden mehr als im Vorjahr oder umgerechnet 100 bis 150 volle Arztstellen, die der Versorgung fehlen. Das von der KBV gesetzte Ziel von 25 Prozent Bürokratieabbau scheint in immer weitere Ferne zu rücken.

Nun kann eine durchorganisierte Gesellschaft wie die unsere nicht ohne Verwaltung funktionieren. Diese Erkenntnis ist wahrlich nicht neu. Aber es kann auch nicht sein, dass gerade Ärzte, die sich um Menschen kümmern wollen und auch sollen, immer mehr Zeit mit Formularen und Dokumentation zubringen.

Delegieren und digitalisieren – das muss daher jetzt die Devise sein. Zwei Beispiele: Digitalisierte Formulare wie das E-Rezept oder die E-AU-Bescheinigung können mittel-bis langfristig durchaus helfen, Prozesse zu verschlanken. Und Verwaltungsfachkräfte in größeren Arztpraxen, zum Beispiel gut fortgebildete MFA, können Ärzte im Verwaltungsalltag entlasten, damit sie sich auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können. Die zusätzliche Zeit, die Ärzte damit für Patienten gewinnen, ist es wert, diese Veränderungen voranzubringen.

Lesen Sie dazu auch:
Bürokratieindex der KBV: Bürokratielast in Praxen steigt und steigt

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[25.11.2018, 13:48:38]
Dr.med. Henning Fischer 
Sie haben ein paar ganz gute Ansätze, liegen aber grundsätzlich falsch

wenn Sie die Bürokratie mit IT entschärfen, dann fördern Sie die Bürokratie!

Wer wird die aberhundert völlig überflüssigen blankounterschriebenen Routine-Überweisungen am Quartalsbeginn abschaffen wollen, wenn man sie mit dem PC ja so schön ausstellen kann?

Wer wird die VÖLLIG ÜBERFLÜSSIGEN HEILMITTELRICHTLINIEN abschaffen wollen, wenn man sogar spezielle Software zum ausfüllen braucht.

Wir haben seit 8 Jahren eine papierlose Karteikarte (nicht Praxis!), verschicken alle Berichte aus der Karteikarte per Fax und übernehmen die Faxe als PDF in die Karteikarte. Und wir haben im Gegensatz zu den Ausführungen auf Ihrer Homepage alle PCs mit SSDs statt HDDs ausgerüstet.

Ich administriere meine 8-Platz-Praxiscomputeranlage seit 1995 selbst mit mittlerweile 5.-6. PC-Generation. Wir haben 10 Drucker und 2 Scanner.

Aber ich würde nie auf die Idee kommen zu sagen, der Bürokratismus kann so bleiben weil ich alles mit dem Computer erledige.


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[24.11.2018, 21:12:30]
Dr. Zlatko Prister 
...aber Herr Gerlof,
diese 54,5 Millionen Arbeitsstunden für "Bürokratie" sind ein FANTOM.
Schauen Sie sich endlich mal, wie das alles in meiner Praxis mit einem ganz normalen Praxiscomputer auch bei anderen organisiert werden kann. Da braucht man keine Investitionen. Ärzte müssen endlich Kurse bei Softwareanbietern belegen und lernen ihre teuer bezahlten Computer zu nutzen.
Die Computer in den Praxen können das alles, schon seit 20 Jahren; die Ärzte können es nicht.

Lieben Gruß
Dr.Z. Prister
Papierlose Hausarztpraxis 4.0
www.prister.de

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