Ärzte Zeitung online, 26.08.2014
 

Fehlzeiten

Kranke Arbeitnehmer über 50 kosten Firmen am meisten

Jüngere Arbeitnehmer sind im Vergleich zu älteren Beschäftigten häufiger, aber dafür kürzer krank. Das berichtet das Wissenschaftliche Institut der AOK im Fehlzeiten-Report.

Kranke Arbeitnehmer über 50 kosten Firmen am meisten

In Gesundheitsberufen ist der Anteil der Beschäftigten über 50 Jahre in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen.

© M. Ernert / Chirur. Klinik, Uniklinik Heidelberg

BERLIN. Der Demografiewandel prägt nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Betriebswelt von morgen nachhaltig. Ein Merkmal wird hierbei sein, dass Jung und Alt in den Unternehmen enger zusammenarbeiten müssen - zum Beispiel in gemischt besetzten Teams.

Wie der aktuelle AOK-Fehlzeiten-Report 2014 zeigt, finden sich besonders in den Gesundheitsberufen viele Mitarbeiter über 50 Jahre. Konkret habe deren Zahl im Laufe der vergangenen zehn Jahre um 259.200 zugelegt - ein Anstieg um 73 Prozent.

Enorme Zuwächse verzeichneten auch die Elektroberufe (72 Prozent/ 67.500 Beschäftigte), Berufsbilder der Chemie- und Kunststoffbranche (64 Prozent/ 37.800 Beschäftigte) sowie die Sozial- und Erziehungsberufe (59 Prozent/ 286.400 Beschäftigte).

Der Fehlzeiten-Report mit dem Titel "Erfolgreiche Unternehmen von morgen - gesunde Zukunft heute gestalten" offenbart unterschiedliche Trends, wenn es um das betriebliche Krankheitsgeschehen geht.

Jüngere fehlen häufiger, Ältere länger

"Jüngere Beschäftigte sind häufiger mit wenigen Tagen krank. Mit zunehmendem Alter nimmt dann zwar die Anzahl der Krankschreibungen ab, aber gleichzeitig steigt deren Dauer", resümiert Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und Mitherausgeber des Reports.

"So liegt in der Gruppe der 30- bis 34-Jährigen der Durchschnitt bei 8,6 Fehltagen pro Fall. Bei den 60- bis 64-Jährigen sind dies bereits 21,6 Tage. Dies geht vor allem auf einen Anstieg der Herz-/ Kreislauferkrankungen und Muskel-/Skeletterkrankungen zurück", konkretisiert Schröder.

Obwohl die ältere Erwerbsbevölkerung über 50 Jahre im Jahr 2013 insgesamt nicht einmal ein Drittel der Belegschaften ausmachte, führten deren gesundheitliche Belastungen zu Fehlzeiten, die rund 46 Prozent der Kosten der ausgefallenen Bruttowertschöpfung verursachten, wie aus dem Bericht hervorgeht. Dies entspreche einem Verlust der Arbeitsproduktivität von 42,6 Milliarden Euro.

Diese Zahl ist vor allem mit Blick auf die Beschäftigungsstruktur in den Betrieben relevant - wenn nicht sogar alarmierend. Denn seit 1990 sei der Anteil der über 50-Jährigen von 23 Prozent auf heute 31 Prozent angestiegen.

 Es sei laut Report davon auszugehen, dass der Scheitelpunkt in den Jahren 2022/23 mit knapp 37 Prozent erreicht werde, um dann auf vergleichsweise hohem Niveau zu stagnieren. "Die Beschäftigten über 50 Jahre werden zukünftig einen wesentlichen Anteil an den Belegschaften ausmachen", prognostiziert Schröder.

Die Unternehmen sind auf gesunde Beschäftigte aller Altersgruppen angewiesen und immer stärker auch auf ältere Beschäftigte, da das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland zukünftig sinken wird.

Während dem Arbeitsmarkt, so der Report, im Jahr 2013 noch rund 45 Millionen Personen zur Verfügung standen, werde sich das Angebot an Arbeitskräften bis zum Jahr 2030 um fünf Millionen Personen verringern.

Regionale und sektorale Unterschiede

Um kein falsches Bild der Wirklichkeit in der Unternehmenslandschaft zu projizieren, weisen die Studienautoren auch darauf hin, dass der demografische Wandel die Firmen und damit die Belegschaften regional und sektoral höchst differenziert treffen werde.

Besonders geringe Anteile über 50-jähriger Mitarbeiter fänden sich demnach im Bereich Information und Kommunikation (21 Prozent), in der Baubranche (23 Prozent) sowie im Handel (25 Prozent).

Dagegen hätten die Betriebe der Öffentlichen Verwaltung/Sozialversicherung und des Bereichs Bergbau/Energie/Wasserversorgung im Jahr 2011 Anteile Älterer von 38 respektive 34 Prozent ausgewiesen.

Wie der Fehlzeiten-Report weiter darlegt, könnten fundamentale Missverständnisse und Fehleinschätzungen des jeweils anderen Segments die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt in den Betrieben erheblich erschweren. Hier herrsche dringender Handlungsbedarf. (maw)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Gefährliche Altersstruktur

[27.08.2014, 16:19:39]
Dr. Claus Kühnert 
Bereits die Beitragsüberschrift ist diskriminierend!
Sehr geehrte Leser,
was nutzt der Disput um die längeren AU-Zeiten der Arbeitnehmer >50?
Warum sind Jüngere weniger lange aber öfter Krank. Die "Alten" weil sie sich bereits verschleißen, die "Jungen" weil sie das noch nicht wollen und leider auch generationenbedingt nicht mehr so belastbar werden. Natürlich kommt jetzt sofort ein lautes "Buuh". Fakt ist und bleibt, das der Mensch als biologisches Individuum einem natürlich Verschleiß und Abbau unterliegt. Einfach formuliert: 'Komplizierte Apparaturen werden störanfälliger'. Was machen Ökonomen/Arbeitgeber mit überalterten und sich verschleißenden Maschinen? - sie mustern diese aus.
Mancher Arbeitnehmer wäre über eine Ausmusterung unter "angemessenen Bdingungen" froh. Damit hätten wir wieder die leidige Rentendiskussion über die Fehler seit Adenauer, Blüm bis dato.
Wir sollten allesamt froh sein noch 'soo viele' "Alte über 50 zu haben, denn der Blick auf die juvenile Gegenwart und Zukunft lässt nicht viel Gutes ahnen und hoffen. Das biologische Reservoire ist dünner geworden, der Bildungsgrad und die Arbeitswilligkeit, sowie Einsatzfreudigkeit(s. Blick auf die Arbeitgeber)der Auszubildenden stimmt nicht gerade hoffnungsvoll. Also ist es besser Jungen und Alten die Wege zu ebnen, Brücken ab- und Hilfsangebote aufzubauen.
Der obige Titel über die AU-Zeiten "der Alten" liegt VOll daneben.
Mehr biologischer Sachverstand und psychologische Hilfe sind zweifelsfrei effektiver. Dann gibt es vielleicht noch mehr 'Verrückte' wie mich, die noch mit 74 freiwillig und sehr gern trotz schwerer chronischer Krankheit arbeiten - allerdings unter selbstbestimmter Arbeitszeit. Ab 80 arbeite ich dann nur noch halbtags. Frohes Schaffen!

MfG
Claus Kühnert/Facharzt-mult  zum Beitrag »

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