Ärzte Zeitung, 26.11.2009

Auslaufmodell Sparstrumpf: Ärzte setzen zur Renditejagd besser auf rentierliche Vehikel

Nicht jedem sind die Gene des Entenhausener Milliardärs Dagobert Duck in die Wiege gelegt worden. Geld anzulegen ist aber eine Kunst, die nach Regeln funktioniert.

Von Bernd Alles

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Wer sein Geld in den Sparstrumpf steckt, kann nicht mit einer Geldvermehrung rechnen.

Foto: Yvonne Bogdanski©www.fotolia.de

Irgendwann im Leben stellt sich die Frage für jeden niedergelassenen Arzt: Was mache ich mit meinem Überschuss an Liquidität? Geldanlage eben. Was aber sind die harten Kriterien für eine "lohnende" Verwendung der positiven Einnahmebilanz?

Na klar, sicher soll sie sein, die Geldanlage. Das ist das härteste Kriterium, spätestens seit der letzten großen Bankenpleite - die Erinnerung an die "Lehmann-Bank-Geschädigten" ist noch recht frisch. Aber auch lohnend soll sie sein. Zumindest werterhaltend, besser wertsteigernd.

Ein Drittel Gold, ein Drittel Aktien, ein Drittel Immobilien - so lautete die "Goldene Anlageregel" einst. Ist sie überholt, oder aktuell wie nie zuvor? Fest steht: Die heutige Fülle der Angebote, wie man sein Geld (vielleicht?) vermehren kann, ist unglaublich groß. Eigentlich nicht mehr überschaubar. Ein Grund, weswegen es zahlreiche "Anlageberater" gibt.

Doch hier ist Vorsicht geboten. Das Interesse an der eigenen Provision dominiert nicht selten die Rendite des Kunden. Massenhaft weitere Fallstricke lauern. Beispielsweise in Steuersparmodellen, bei denen nur die Steuerersparnis, nicht aber eine nachhaltig lohnende Geldinvestition im Vordergrund steht. Oder bei Immobiliengeschäften mit für x Jahre garantierten Mieteinnahmen - die schelmisch in den Verkaufspreis einkalkuliert sind und nach Ablauf der Garantiefrist nicht annähernd mehr erzielt werden können. Anleger müssen also hellwach sein.

Wie aber könnte sie aussehen, die Hitliste der rentierlichen Anlageformen? Grundsätzlich gilt: Je höher die Renditeaussicht, desto riskanter das Geschäft. Dazu kommt eine weitere "Goldene Anlageregel": "Never put all your eggs in one basket" - der Rat zur Risikostreuung also. Versucht man für niedergelassene Ärzte maßgeschneiderte Anlageformen zu präsentieren, könnten folgende Überlegungen eine gewichtige Rolle spielen:

  • Zuerst prüfen, ob Schulden getilgt werden können. Schuldentilgung macht immer einen Sinn, wenn die Schuldzinsen - unter Berücksichtigung steuerlicher Aspekte - höher sind als die Ertragserwartung der alternativ möglichen Anlageformen.
  • Bitte nicht vergessen, dass Investitionen - beispielsweise in die eigene Gesundheit, in die Praxis oder in die Fortbildung - oft rentierlicher sein können als alles andere.
  • An der Börse wird nicht geklingelt! Ohne Insiderwissen große Summen in Aktien anzulegen kann sehr riskant sein. Deshalb: Aktienanlage nur als Teil eines gemischten Portfolios. Und mit der Gewissheit, dass man Verkäufe nicht aus Liquiditätsnot tätigen muss, sondern Tiefkurse auch über einen längeren Zeitraum aussitzen kann.
  • Festgeldanlage ist mal der Winner, mal der Loser - je nach Zinsniveau und unter dem Aspekt des Risikos.
  • Immobilien sind schlichtweg der Klassiker unter den Anlageformen. Gleichwohl müssen sowohl Wertsteigerung als auch laufende Einnahmenüberschüsse konservativ betrachtet werden. "Worst-Case-Szenarien" insbesondere dann erarbeiten und in die Entscheidung einfließen lassen, wenn die Investitionssumme die Liquidität erheblich beeinträchtigt. So können hohe Nebenkosten bei Eigentumswohnungen plötzlich zur Renditefalle werden, wenn die Wohnung längere Zeit nicht rentabel vermietet werden kann.
  • Aus Geld mach Gold - der dritte Klassiker. Risiken hier: Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis. Und natürlich der Kurswert. Die aktuelle Performance einer Goldanlage betrug zum Beispiel Ende September rund 71 Prozent plus für den Zeitraum von fünf Jahren. So schlecht eigentlich nicht, wenn man vor fünf Jahren eingestiegen ist.
  • Ein Blick ins Wertpapier-Depot zeigt Gewinne und Verluste auf. Realisiert werden sie allerdings erst beim Verkauf. Die Kunst oder das Gespür für den richtigen (Ver-)Kaufzeitpunkt ist oft nicht nur Kopf-, sondern auch Bauchsache.
  • Steuerliche Aspekte berücksichtigen. Noch vor einigen Jahren ein Renner: die Kapitallebensversicherung. Weil steuerbegünstigt. Mit dem Wegfall der Vergünstigung plötzlich im Abseits. Ähnlich renditeverzehrend die steuerliche Entwicklung bei der Besteuerung von Aktiengewinnen. Oder die einschneidenden Änderungen bei Spekulationsgewinnen. Hier ist - insbesondere bei höheren Anlagebeträgen - stets der Steuerberater hinzuzuziehen.
  • Stets - und teilweise in Echtzeit -informiert sein über Kursentwicklungen ist drin im Internet-Zeitalter.

Wie immer sich ein Arzt als Geldanleger entscheidet, Chancen und Risiken sind in ständiger Abwägung Begleiter dieser Entscheidungen. Es kommt dann auf den Menschentyp an - Spielernatur oder Sicherheitsfanatiker in den Extremen - welche Anlageform gewählt wird.

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