Ärzte Zeitung, 05.11.2010

Ärzte bekommen Schonfrist bei den Kodierrichtlinien

Einigung von KBV und Krankenkassen auf Übergangsfrist von sechs Monaten

BERLIN (mn). Teilentwarnung bei den Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR): Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Krankenkassen haben sich auf eine Übergangsfrist von sechs Monaten bei der Einführung der neuen Vorschriften zur Diagnosenkodierung für Vertragsärzte geeinigt.

Ärzte bekommen Schonfrist bei den Kodierrichtlinien

Im Datenstrom ärztlicher Abrechnungen sollen in Zukunft richtlinienkonforme Diagnosekodierungen enthalten sein.

© [M] Miqul / fotolia.com

Die Kodierrichtlinien sollen wie bisher geplant ab Januar 2011 gelten - mit einer Übergangsfrist von einem halben Jahr.

"Die Ärzte haben dann Zeit, sich mit den Richtlinien vertraut zu machen, ohne dass Sanktionen drohen", erklärte Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvositzender der KBV am Freitag in Berlin.

Fehler beim Kodieren haben im ersten Halbjahr demnach noch keine Auswirkungen auf die Abrechnung einer Praxis.

Die Krankenkassen haben der Übergangsfrist allerdings offenbar nicht ohne Gegenleistung zugestimmt: Nach Aussage Köhlers in einem Schreiben an die Kassenärztlichen Vereinigungen wird die Einigung voraussichtlich Auswirkungen auf die Vergütung 2013 haben.

Einer morbiditätsbedingten Erhöhung der Vergütung wollen die Kassen demnach nur zustimmen, wenn die Ärzte nach den AKR kodieren.

Grund für die Übergangsfrist sind die Erfahrungen aus der Testregion Bayern. Die KVen werden in den kommenden Monaten Schulungsangebote machen. Die KBV plant zum Beispiel eine Online-Fortbildung und eine Hotline mit geschulten KV-Mitarbeitern.

"Der Schulungsbedarf ist enorm", sagte Köhler. Köhler appellierte auch an die Softwareunternehmen, die Funktionen zur Anwendung der AKR anwenderfreundlich umzusetzen.

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Nord-KV fordert Überarbeitung der Kodierrichtlinien

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
KBV nimmt Druck aus dem Kessel

[08.11.2010, 10:20:51]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Alternativen zur AKR sind gefragt
Egal wie man die AKR auch verpackt - sie werden immer eine erhebliche Bürokratisierung bringen. Denn die ICD-10 als Grundlage ist das eigentliche Problem. Viel zu speziell, doppeldeutig, kompliziert und unübersichtlich. Eine Übereinstimmung mehrerer Kodierer findet man gerade noch auf der Kapitelebene!
Ein Umdenken ist endlich erforderlich: zumindest für Hausärzte, im Notdienst und für Spezialisten ausserhalb ihres Kernbereiches ist die ICPC viel einfacher und besser (und international etabliert). Dass dieses ganz einfach mit ICD-10 kombinierbar ist, belegt die CodA-Systematik. Sie ermöglicht das "Look and Feel" von ICPC bei gleichzeitiger ICD-10 Verschlüsselung. Damit sind alle Forderungen erfüllbar: einfach, übersichtlich, schnell,kompatibel zu bisherigen Daten und sogar Morbi-RSA-geeignet. Und die Patienten werden durch eher symptomorientierte Diagnosen vor Versicherungsproblemen geschützt.
Was will man mehr?
Näheres siehe www.gesundinKassel.de
Die kasseler Kodiergruppe zum Beitrag »

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