Ärzte Zeitung, 09.04.2011

Wiesbaden soll zu einer Modell-Gesundheitsstadt werden

Ein Wiesbadener Anwalt unterstützt ein Projekt, das die ärztliche Versorgung mit völlig neuen Strukturen sichern will.

Von Sabine Schiner

Wiesbaden soll zu einer Modell-Gesundheitsstadt werden

Nerobergtempel, eines von vielen Wahrzeichen Wiesbadens. Die Kur- und Landeshauptstadt soll nach dem Willen der IHK eine Gesundheitsstadt werden.

© steffan&steffan / imago

WIESBADEN. In Wiesbaden gibt es bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) einen Ausschuss, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Landeshauptstadt zu einer Modell-Gesundheitsstadt zu machen. "Dazu braucht es völlig neue Strukturen", sagt der Rechtsanwalt Hans-Joachim Schade aus Wiesbaden, der das Projekt unterstützt.

Der Fachanwalt für Medizinrecht berät seit 30 Jahren Ärzte, die die Versorgung sektorenübergreifend organisieren möchten. Schade hat ein Konzept namens "Comunomed" entwickelt, auf das sich auch eine aktuelle Studie zum Ärztemangel der Friedrich-Ebert-Stiftung bezieht.

Der Jurist empfiehlt Ärzten, sich in überörtlichen Sozietäten zu organisieren, um die medizinische Versorgung in den Städten und auf dem Land sicherzustellen.

Beispiel Wiesbaden: Die Landeshauptstadt hat ein großes Einzugsgebiet, einen hohen Anteil an Privatpatienten und ist ein beliebter Ort für medizinische Kongresse. Trotzdem zeichnet sich in einigen Stadtteilen ein Mangel an Ärzten ab.

Ein Gesundheitsnetzwerk ohne Sektorengrenzen

Um die Versorgung zu sichern, rät Schade zur Gründung eines zentralen und Sektoren übergreifendem Netzwerks, in dem Haus- und Fachärzte gemeinsame Anlaufstellen für Patienten einrichten und mit mehreren Partnern kooperieren: mit Vertretern anderer Heilberufe, mit Apothekern, Kliniken, Stadt und Landkreis.

Niedergelassene Ärzte können es sich nach Meinung des Medizinrechtlers nicht mehr leisten, eine Einzelpraxis zu führen. "Ein Arzt allein kann seine Praxis nicht von morgens bis spät abends geöffnet haben." Es brauche aber solche Praxen, um Patienten rundum versorgen zu können.

"Die Bedürfnisse haben sich geändert", sagt Schade. Um darauf reagieren zu können, empfiehlt er die Gründung von Arbeitsgruppen mit Vertretern aller Branchen und Bürgerforen mit Menschen aller Altersgruppen, um sie in die Gesundheitsplanung einzubeziehen.

Auch im Gesundheitswesen Bürgerbegehren

Bürgerbegehren seien nicht nur für Umwelt- und Stadtplanung wichtig, sondern auch für den Gesundheitsbereich. "Da müssen wir hin", sagt Schade.

Für eine solch intensive integrierte Versorgung müssten Ärzte allerdings über ihre Standesgrenzen hinweg denken. Die IHK ist nach Schades Meinung ein verlässlicher Partner und die Arbeit des Gesundheitsausschusses sei ein erster Schritt zur Gesundheitsstadt. "Das Potenzial dafür ist da."

Gelingen könne ein solches Vorhaben allerdings nur, wenn sich alle Partner vernetzen. Und wenn sich bei allen Akteuren die Einsicht durchsetzt, dass Veränderungen nötig sind. Schade: "Dazu gehört auch, dass sich Banken darüber klar werden, dass der Gesundheitsbereich ein starker wirtschaftlicher Faktor ist."

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