Ärzte Zeitung, 20.12.2011

Teamarbeit für mehr Spaß am Leben

Dr. Christian Link und Bernd Ehrich sind Landärzte aus Überzeugung. Nur eines kommt für sie nicht infrage: allein zu arbeiten. Denn auf den Mittagsschlaf oder das Baden im See wollen die Ärzte nicht verzichten.

Von Dirk Schnack

Gemeinsam für mehr Lebensqualität

Landärzte und doch nicht Einzelkämpfer: Bernd Ehrich (links) und Dr. Christian Link aus Böklund.

© Dirk Schnack

BÖKLUND. Warum immer weniger Kollegen Arztpraxen auf dem Land übernehmen? Bernd Ehrich und Dr. Christian Link fällt eine Antwort schwer.

Die beiden sind überzeugt, dass ihnen persönlich weder Großstadt noch Klinikjob oder alternative Berufe in der Industrie gefallen würden.

Ein Grund für das nachlassende Interesse am Landarztleben fällt ihnen aber doch ein: Viele ihrer Kollegen arbeiten allein - und das möchte keiner von beiden.

Noch Platz für einen dritten Praxispartner

Link und Ehrich betreiben seit 2004 eine Gemeinschaftspraxis in Böklund, einem 1500-Einwohner-Ort in der Nähe Schleswigs. Die in vielen Landstrichen vermisste Infrastruktur ist hier noch weitgehend erhalten, man ist schnell in Schleswig und Flensburg.

Gemeinsam zu arbeiten halten sie für unverzichtbar. Ihre 200 Quadratmeter große Praxis, die Ehrichs Frau gegenüber dem Busbahnhof bauen und auf die Belange der Ärzte zuschneiden ließ, würde auch einem dritten Praxispartner noch Platz bieten.

Als Trio würden sich die Ärzte noch besser gerüstet fühlen für die Zukunft. Denn im Umkreis werden in einigen Jahren Einzelpraxen frei, von denen sicherlich nicht alle besetzt werden - und damit werden die Anforderungen an die Böklunder Gemeinschaftspraxis steigen.

Sicheres Einkommen und zugleich Freiräume

Derzeit kommen rund 2000 Patienten pro Quartal in die Hausarztpraxis. Der 45-jährige Link und sein 44-jähriger Praxispartner haben damit eine Größe erreicht, die den Ärzten ein aus ihrer Sicht angemessenes und sicheres Einkommen ermöglicht und zugleich Freiräume schafft.

Der völlig überarbeitete Landarzt, der rund um die Uhr im Einsatz ist und dessen Privatleben nicht stattfindet - für sie ist das undenkbar.

Dafür sorgen unter anderem die Anlaufpraxen der KV Schleswig-Holstein, in denen auf Honorarbasis angestellte Ärzte Notdienste am Wochenende und am Mittwochnachmittag leisten und so den niedergelassenen Ärzten den Rücken freihalten.

"Das alte Bild vom Landarzt gilt nicht mehr", sagt Link. Er genießt es, im Sommer mit dem Fahrrad in die Praxis fahren und sich vor einem Routine-Hausbesuch in einem nahen See abkühlen zu können. Auch ein Mittagsschlaf ist drin, wenn er Hausbesuche bis in den Abend hinein zu absolvieren hat.

Lebensqualität organisieren - in Klinik undenkbar

Ehrich dagegen arbeitet gerne straff durch und genießt es, wenn er früher bei seiner Familie zu Hause in Schleswig sein kann. "Jeder hat seinen eigenen Rhythmus und kann seine Arbeit danach ausrichten", sagt Link. "Wir können uns Lebensqualität organisieren. In der Klinik oder in der Industrie wäre das undenkbar", ist Ehrich überzeugt.

Der gebürtige Schleswiger hat vor der Niederlassung unter anderem in Süddeutschland und in Hamburg gelebt. Langfristig kamen diese Standorte für ihn aber nicht in Frage.

Bei seinen Patienten hat er als Einheimischer einen Heimvorteil, den er bei Bedarf noch verstärken kann, indem er das bei der Landbevölkerung beliebte Plattdeutsch spricht.

"Das schafft bei vielen Patienten mehr Vertrauen", hat er beobachtet.

Link stammt aus Niedersachsen, fühlt sich aber längst heimisch, ohne den Dialekt zu beherrschen: "Ich wollte immer ans Wasser." Dass er eines Tages Landarzt wird, stand für ihn schon als Junge fest. Seine Mutter war Landärztin und musste ihre Kinder in der Regel einmal pro Woche mit auf die Hausbesuche nehmen. Die dabei gesammelten Erfahrungen haben ihn geprägt.

Mit sprechender Medizin und Draht zu den Menschen mehr erreichen

Bis heute ist er überzeugt, dass ein Hausarzt von den Hausbesuchen profitiert, weil er mehr über seine Patienten erfährt. Ohnehin hält er die Landarzttätigkeit für spannend: "Wir sehen hier jedes Alter und das ganze Spektrum an Medizin."

Ehrich schätzt den guten Draht zu den Menschen und die Erfahrung, dass man als Landarzt mit sprechender Medizin viel erreichen kann - manchmal mehr als mit einer Verordnung.

Ein offenes Wort muss er sich aber auch anhören, wenn er Patienten von Selbstzahlerleistungen überzeugen will. Viele ihrer Patienten verlassen sich fast ausschließlich auf die Schulmedizin.

Wenn Ehrich auf Fortbildungen hört, mit wie viel Erfolg Kollegen aus Berlin und Hamburg alternative Behandlungen anwenden können, spürt er den Unterschied zur Landbevölkerung.

Noch etwas wäre in der Stadt undenkbar: Weil in den vergangenen Jahren zunehmend über die Probleme, Landarztpraxen zu besetzen, diskutiert wird, kocht auch in Böklund die Gerüchteküche. Link muss regelmäßig Spekulationen entgegen treten, dass er sich anders orientieren will. "Das kommt für mich derzeit nicht in Frage", sagt er.

Seine Patienten danken es ihm - in der Stadt wäre es vielen gleichgültig.

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