Ärzte Zeitung, 11.12.2012

Förderung

Mit 50.000 Euro in die Praxis

Bis zu 50.000 Euro spendiert Hessen, wenn Jungärzte den Sprung ins kalte Wasser wagen und eine eigene Praxis aufbauen. Die ersten Anträge wurden genehmigt. Ein Beispiel aus Hainzell.

Von Sabine Schiner

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Ein zukünftiger Patient? Dr. Silvia Steinebach wird im Januar mit Fördergeldern des Landes Hessen eine Landarztpraxis in Hainzell übernehmen.

© Sabine Schiner

PETERSBERG. Hessen bietet in diesem Jahr erstmals Ärzten, die sich in bestimmten ländlichen Regionen niederlassen wollen, einen Praxisgründer-Zuschuss in Höhe von bis zu 50.000 Euro.

32 Förderanträge sind eingegangen, acht wurden genehmigt. Eine der Ärztinnen, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, ist die Internistin und Kardiologin Dr. Silvia Steinebach aus Petersberg.

"Ich freu mich drauf", sagt die 34 Jahre alte Ärztin mit Blick auf nächstes Jahr. Im Januar erwartet sie ihr erstes Kind und im April wird sie die Landarztpraxis von Dr. Renate Strupp in Hainzell übernehmen und Vollzeit arbeiten.

Das Förderpaket des Landes Hessen kam ihr da gerade recht. Allerdings hatte sie den Entschluss, sich selbstständig zu machen, schon lange vor Erhalt der Zusage getroffen.

Es ist ein großer Schritt für die Medizinerin, die bislang nur im klinischen Bereich gearbeitet hat. Vor zwei Jahren hat sie ihre Ausbildung zur Internistin am Klinikum Fulda abgeschlossen, seit diesem Jahr ist sie Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie.

Hainzell hat etwa 1200 Einwohner und liegt knapp 20 Kilometer von Fulda entfernt. Es gibt nur einen Vertragsarztsitz und viel zu tun. "Die Praxis hat fünf Mitarbeiterinnen und pro Quartal etwa 2000 Scheine", sagt Steinebach.

Ein Jahr Einarbeitung

"Das ist eine große Herausforderung - und das hat sicherlich auch den einen oder anderen Interessenten von einer Übernahme abgehalten."

Die Ärztin wagt den Schritt, den viele andere Frauen, die eine Familie gründen wollen, scheuen, weil ihre Lebenspartnerin in der ersten Zeit zuhause bleibt und sich um das Kind kümmert.

"In Hainzell lassen sich berufliche und private Ansprüche optimal verbinden", erklärt sie. "Kita, Grundschule - alles ist vorhanden." Zudem kann die Familie in dem Gebäude, in dem die Praxis untergebracht ist, auch wohnen.

Mit der Familie Strupp verbindet die junge Ärztin seit Jahren freundschaftliche Kontakte, die Region um Hainzell kannte sie bereits von ihrer Tätigkeit als Notärztin.

"Die Anfahrtswege sind manchmal recht lang", sagt Steinebach. Da komme es auch schon mal vor, dass die Hausärztin nachts herausgeklingelt wird, um Ersthilfe zu leisten, bis der Notarzt eintrifft.

Sie ist froh, dass sie sich mit Dr. Renate Strupp auf einen fließenden Übergang geeinigt hat.

Die beiden Ärztinnen werden im ersten Jahr gemeinsam in der Praxis arbeiten. "Das ist sicherlich medizinisch sehr sinnvoll, es muss sich allerdings auch ökonomisch tragen", gibt sie zu bedenken.

Die 50.000 Euro vom Land sind ihr eine Hilfe. Eine Riesen-Investition ist die Praxisübernahme für sie trotzdem: "Allein ein Sono-Gerät kostet 30.000 Euro."

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