Ärzte Zeitung online, 04.11.2015

Künstliche Befruchtung

Kinderwunsch-Arzt muss sich vor Gericht verantworten

MÜNCHEN. Weil er die deutschen Bestimmungen zur künstlichen Befruchtung umgangen haben soll, muss sich ein Mediziner seit Mittwoch vor Gericht verantworten. Der ehemalige Leiter des Kinderwunsch-Informationszentrums Deutschland verweigerte zu Beginn des Prozesses vor dem Münchner Amtsgericht die Aussage.

Dem 63-Jährigen wird Beihilfe zur missbräuchlichen Anwendung von Fortpflanzungstechniken vorgeworfen. Er soll Frauen künstliche Befruchtungen mit bis zu 18 befruchteten Eizellen im Ausland vermittelt haben. Das deutsche Embryonenschutzgesetz untersagt eine Therapie, bei der innerhalb eines Behandlungszyklus mehr als drei Embryonen entstehen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge wirkte der Arzt in den Jahren 2007 bis 2010 bei der Vermittlung von Frauen aus Deutschland an eine Klinikgruppe mit Sitz im österreichischen Bregenz mit.Demnach unterstützte er in Deutschland ansässige Ärzte bei der Überweisung von Patientinnen an ausländische Kinderwunschzentren.

Seine Aufgabe habe in der Betreuung eines sogenannten Zuweisernetzes bestanden. Dafür habe der 63-Jährige laut Anklage insgesamt gut 380.000 Euro bekommen. Der Mann stand im Sommer 2014 schon einmal vor Gericht. Der Prozess zog sich hin und musste wegen Urlaubs des Richters ausgesetzt werden. Die neue Verhandlung ist auf drei Tage angesetzt. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wenn Komplementärmedizin für Krebskranke tödlich wird

Krebspatienten, die zusätzlich unbewiesene Heilverfahren nutzen, verschlechtern wohl ihre Überlebenschance. Die Erklärung ist nicht in der Komplementärmedizin selbst zu suchen. mehr »

Kurskorrektur in der Alzheimerforschung?

Offenbar entzieht sich das Gehirn bei Morbus Alzheimer dem Immunsystem. Checkpoint-Hemmer aus der Krebstherapie könnten dies verhindern. Bei Mäusen klappt das schon. mehr »

Carvedilol für alte Diabetiker? Besser nicht!

Erhalten pflegebedürftige Diabetiker nach Herzinfarkt einen "diabetikerfreundlichen" Betablocker, sinkt zwar die Gefahr von Hyperglykämien. Ins Krankenhaus müssen sie trotzdem häufiger. mehr »