Ärzte Zeitung online, 25.01.2018

Kommentar

EuGH und der unergründliche Mensch

Von Martin Wortmann

Medizinische Diagnoseverfahren verbessern sich stetig, und auch bei psychologischen Tests gibt es immer wieder Fortschritte. Doch die sexuelle Orientierung zu testen, das gelingt noch nicht wirklich, hat jetzt der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg festgestellt.

Als Konsequenz darf ein Nigerianer wohl in Ungarn bleiben. Er hatte dort angegeben, er sei homosexuell, in Nigeria drohe ihm daher Verfolgung.

Die ungarischen Asylbehörden fanden seine Schilderung glaubwürdig. Nur: Ein psychologischer Test wollte nicht Richtung schwul ausschlagen. Sein Asylantrag wurde daher abgelehnt.

Nach dem Luxemburger Urteil sind solche Tests unzulässig, weil sie wenig taugen. Intimste Fragen für ein ohnehin nicht aussagekräftiges Ergebnis, das ist unverhältnismäßig und verstößt daher gegen die Grundrechte.

Asylschwindler – der Nigerianer in Ungarn ist hier ausdrücklich nicht gemeint – werden sich freuen. Und Asylbehörden stehen hier zugegeben vor einem Problem, zumal, wenn bei hohen Flüchtlingszahlen nicht nur wirkliche Profis an den Entscheidungen sitzen.

Dennoch ist es irgendwie beruhigend zu wissen: Die Gedanken sind frei. Und der Mensch bleibt unergründlich.

Lesen Sie dazu auch:
Homosexualität: Psycho-Tests unzulässig für Asylbewerber

Topics
Schlagworte
Recht (12704)
Personen
Martin Wortmann (494)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »