Ärzte Zeitung online, 23.09.2019

Arzneimittel-Skandal

Strafprozess um Schlankmacher-Pille Mediator

PARIS. Rund zehn Jahre nach dem Verbot der Schlankmacher-Pille Mediator® (Benfluorex) hat am Montag ein weiterer großer Strafprozess in Paris begonnen. Vor Gericht müssen sich zwölf Beschuldigte sowie elf Organisationen und Firmen verantworten, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Der Prozess soll bis zum April kommenden Jahres dauern. Er gilt in Frankreich als außergewöhnlich, da es rund 2700 Nebenkläger gibt.

Das 1976 in Frankreich zunächst als Lipidsenker zugelassene Medikament des Pharmakonzerns Servier könnte Schätzungen zufolge allein dort den Tod von mindestens 500 Patienten verursacht haben. 1987 hatte es die Zulassungserweiterung zur Therapie der Hypertriglyzeridämie erhalten, im Jahr 1990 dann auch zur Behandlung bei übergewichtigen Patienten mit Typ-2-Diabetes.

Mehr als 3500 Patienten mussten daraufhin im Krankenhaus behandelt werden. Das Mittel soll unter anderem Herz- und Kreislaufschäden hervorgerufen haben.

Mediator® wurde schließlich 2009 in Frankreich vom Markt genommen und ist seither europaweit verboten. In Deutschland war das Mittel nie auf dem Markt. Tausende Opfer wurden bereits entschädigt. (dpa)

Lesen Sie dazu auch:
Frankreich: Todesfälle nach Einnahme von Appetitzüglern?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Künstliches Pankreas punktet im Alltag

Ein „closed loop“ aus sensorgestützter Glukosemessung und Insulinpumpe kann die Stoffwechseleinstellung bei Diabetes deutlich verbessern, zeigt eine US-Studie auf. mehr »

Kontroverse um Spahns Gesetz für besseren Masernschutz

Der Bundestag hat in erster Lesung das geplante Masernschutzgesetz debattiert. Die Opposition kritisiert, das Gesetz atme zu viel Zwang und Sanktion. mehr »

Tuberkulose bleibt die infektiöse Todesursache Nummer 1

Inzidenz und Mortalität der Tuberkulose gehen einem WHO-Report zufolge weltweit zurück. Die für 2020 angestrebten Ziele sind trotzdem außer Reichweite. mehr »