Ärzte Zeitung, 09.12.2016

Rx-Versand

ABDA eckt auch in eigenen Reihen an

Während die Linken mit einem Antrag zum Verbot des Rx-Versands im Bundestag vorpreschen, setzt die ABDA auf antieuropäische Stimmung – und tritt aus dem Bundesverband Managed Care aus, weil der ihre Meinung nicht teilt.

BERLIN. Nachdem der Bundesverband Managed Care (BMC) in dem kürzlich ergangenen Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur deutschen Rx-Preisbindung auch "erhebliche Chancen für Apotheker" sieht (wir berichteten), hat der Apothekerdachverband ABDA seine Mitgliedschaft im BMC außerordentlich gekündigt. Der Verband vertrete in einem für die Apotheker "essenziellen Thema" eine diametral zur ABDA entgegengesetzte Position, begründete ABDA-Sprecher Reiner Kern den Austritt.

Wie sehr die ABDA um ihre Position ringt, belegt auch eine Unterschriftenkampagne die vom 20. Dezember bis Anfang März 2017 laufen soll. An die bundesweit rund 20.000 Apotheken wurden jetzt Plakate und Unterschriftenlisten verschickt. Darin heißt es unter anderem, "aktuelle Entscheidungen der EU machen es ausländischen Konzernen noch einfacher, sich an unserem Gesundheitssystem zu bereichern ".

"schmaler Grad"

Mit ihrer Unterschrift sollen Kunden "von der Politik" fordern, "die gefährlichen Einflüsse von außen zu stoppen". Eine Erklärung des EuGH-Urteils wird ebensowenig mitgeliefert wie ein Hinweis, dass die ABDA mit den Unterschriftenlisten in Berlin für ein Verbot des Rx-Versands trommeln will. Sogar branchennahe Medien wie der Nachrichtendienst "Apotheke adhoc" kommentieren die Aktion als populistisch. "Mit diesen Parolen", heißt es, "überspannt die ABDA den Bogen des politisch Zulässigen". Und selbst die "Deutsche Apotheker Zeitung" wagt es, leise Zweifel anzumelden: "der Grad ist schmal, der hier betreten wird".

Bekenntnis ablegen

Unterdessen hat die Bundestagsfraktion der Linken einen Antrag zum Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln vorgelegt. "Wir wollen, dass sich alle Fraktionen im Bundestag jenseits von Sonntagsreden bekennen müssen: Für die Stärkung der Apotheke vor Ort oder für Deregulierung", begründete gegenüber der Tageszeitgung "Die Welt" die Linken-Abgeordnete Kathrin Vogler. Dem Antrag sind allerdings ebensowenige Chancen einzuräumen, wie einem vergleichbaren Ansinnen, das der Bundesrat Ende November verabschiedet hat. Von Regierungsseite wurde bereits signalisiert, dass man an einer eigenen Regelung zur Rettung der Rx-Preisbindung arbeite.

In Deutschland besitzen nach Angaben von ABDA-Sprecher Kern rund 2900 Apotheken eine Erlaubnis zum Versandhandel. Tatsächlich betreiben würden das Geschäft aber nur etwa 150 Apotheken. (cw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Beginnt die MS im Dünndarm?

Im Dünndarm werden wohl "Schläfer-T-Zellen" aktiviert, die eine MS triggern. Jetzt sind Forscher auf der Suche nach dem Auslöser – und haben Keime im Verdacht. mehr »

Wie die Neurologie von der Flüchtlingskrise profitiert

Migranten sind für Europa eine Herausforderung, doch sie bringen auch neue Erkenntnisse: Mediziner können durch Zuwanderer erforschen, wie Gene und Umwelt mit neurologischen Krankheiten zusammenhängen. mehr »

Hausbesuche bringen wohl mehr Honorar

Beim GKV-Spitzenverband gilt als ausgemacht, dass die Ärzte für eine Ausweitung der Mindestsprechzeiten nur sparsam honoriert werden sollen. Das Honorarsystem soll keine Gelddruckmaschine für Ärzte sein. Eine Ausnahme könnte es geben: Hausbesuche. mehr »