Ärzte Zeitung online, 13.05.2014

Pfizer-AstraZeneca

Briten fordern stärkere Garantien

Pfizer will AstraZeneca übernehmen. Doch so einfach wird ihnen der Plan nicht gemacht. Zu der Übernahmeofferte melden in London Regierung und Opposition jetzt öffentliche Interessen an.

Von Christoph Winnat

Briten fordern stärkere Garantien

Im Visier von Pfizer: AstraZeneca.

© Lynne Cameron / PA Wire / dpa

LONDON. Britische Regierungspolitiker, allen voran der konservative Premierminister David Cameron, haben von Pfizer stärkere Arbeitsplatz- und Standortgarantien für den Fall gefordert, dass der US-Pharmariese den britisch-schwedischen Wettbewerber AstraZeneca übernimmt.

So erklärte Cameron kürzlich in einer Parlamentsdebatte, die Regierung begrüße Pfizers Übernahmeofferte als einen Vertrauensbeweis in eine Steuersystem, das dazu geschaffen wurde, Investoren anzuziehen. Die Zusagen, die Pfizer bisher für den Standort UK gegeben habe, seien zwar "vielversprechend".

Allerdings sei er "damit noch nicht zufrieden. Ich will mehr", wird Cameron in einem Bericht unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Pfizer hatte zu Monatsbeginn in einem offenen Brief an Cameron unter anderem versprochen, bei einer Fusion mit AstraZeneca das Headquarter des neuen Konzerns nach Großbritannien verlegen zu wollen. Zudem würden 20 Prozent der Belegschaft, die in Forschung und Entwicklung tätig sind, langfristig in UK bleiben.

Eine Zusage gab Pfizer darüber hinaus für den Fortbestand der Pharmaproduktion in Macclesfield nähe Manchester sowie für die Fertigstellung eines neuen Forschungszentrums von AstraZeneca in Cambridge.

Cameron will für britische Jobs kämpfen

Camerons Stellvertreter Nick Clegg ließ unterdessen verlauten, er sehe "verbindliche Ankündigungen" lieber als Absichtserklärungen. Clegg reagierte damit auf mehrere Video-Botschaften, in denen Pfizer-CEO Ian Read am Wochenende die Vorteile der Fusion für die Pharmaentwicklung hervorgehoben und gleichzeitig die steuerlichen Effekte heruntergespielt hatte.

Premier Cameron legte in einem Interview mit der BBC nach: "Ich werde für britische Jobs einstehen, für britische Interessen und britische Forschung und Entwicklung".

Laut Nachrichtenagentur Bloomberg kündigte Wirtschaftsminister Vince Cable an, jetzt auch Optionen auszuloten, wie sich die öffentlichen Interessen in der Sache Pfizer-AstraZeneca verteidigen lassen.

Eine Möglichkeit, die Übernahme zu blockieren, sei etwa, sie vor die EU-Kommission zu bringen; eine andere, den Enterprise Act, mit dem das Königreich seit 2002 Unternehmenszusammenschlüsse regelt, zu verschärfen.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der oppositionellen Labor-Party, Chuka Umunna, erklärte am Wochenende, die Standort-Zusagen, die Pfizer bisher gegeben habe, seien "das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben stehen".

Umunna monierte, dass Pfizer bislang nicht ausgeschlossen habe, nach einer Übernahme AstraZeneca zu zerschlagen und einzelne Unternehmensteile zu veräußern.

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