Ärzte Zeitung online, 25.04.2019

Spinale Muskelatrophie

Sind fünf Millionen US-Dollar pro Behandlung gerechtfertigt?

Fünf Millionen US-Dollar pro Behandlung gerechtfertigt?

Zolgensma® soll Patienten mit spinaler Muskelatrophie helfen – doch zu welchem Preis?

© luchshen / Fotolia

BASEL/BOSTON. Novartis schickt sich an, mit seiner neuen Gentherapie der spinalen Muskelatrophie in völlig neue Preisdimensionen vorzustoßen. Anlässlich der Bekanntgabe der Quartalsbilanz am Mittwoch sagte Konzernchef Vas Narasimhan der Nachrichtenagentur Reuters, für Zolgensma® (Onasemnogen abeparvovec) prüfe man eine Preisspanne zwischen 1,5 Millionen und 5,0 Millionen Dollar pro Patient.

Novartis orientiert sich an dem gesundheitsökonomischen Konzept des qualitätsadjustierten Lebensjahres (QALY). Bei einer maximalen Bewertung eines QALY mit 500.000 Dollar sei Zolgensma® mit 4,0 bis 5,0 Millionen Dollar noch kosteneffektiv bepreist, zitiert Reuters den Konzernchef.

Bei einer maximalen QALY-Bewertung mit 150.000 Dollar seien um die 1,5 Millionen Dollar pro Patient gerechtfertigt.

Institut mit anderer Bewertung

Damit liegt Novartis deutlich über den Zahlen, die Anfang April das gemeinnützige Bostoner Institute for Clinical and Economic Review (ICER) veröffentlicht hatte. Danach wären gemäß QALY-Konzept zwischen 310.000 und 900.000 Dollar je Behandlung mit Zolgensma® kosteneffektiv. Aus der alternativen Messmethode des zusätzlich gewonnenen Lebensjahres („Life Years Gained“) ergebe sich ein Preisspielraum zwischen 710.000 und 1,5 Millionen Dollar, heißt es.

Die US-Zulassung für Zolgensma® wird in den nächsten Wochen erwartet. In Europa ist ein Zulassungsantrag für die Gentherapie mit Orphan-Drug-Status ebenfalls bereits beantragt. Bisher wurden laut Novartis im Zuge der klinischen Entwicklung über 150 Patienten mit Zolgensma® behandelt, wobei nur fünf Prozent Antikörper gegen den viralen Vektor AAV9 ausgebildet hätten, mit dem survival-motor-neuron-kodierende DNA in die Zelle transportiert wird. (cw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Liposuktion und NIPT werden Kassenleistungen

Der GBA hat am Donnerstag in seiner Sitzung beschlossen, Liposuktion bei Lipödem des Stadiums 3 zulasten der Kassen zuzulassen. Gleiches gilt für die nichtinvasive Pränataldiagnostik – unter einer Vorraussetzung. mehr »

Ärzte sollen behandeln, nicht beraten

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) hat zum Auftakt ihrer Jahrestagung am Donnerstag in Kiel therapeutische Lösungen für Betroffene in der Regelversorgung gefordert. mehr »

GBA beschließt Vereinfachungen für Ärzte ab 2020

Außerhalb oder innerhalb des Regelfalls, Ärger um das behandlungsfreie Intervall: Nach dem Beschluss des GBA zur Heilmittelrichtlinie können Ärzte einige Erleichterungen im Praxisalltag erwarten. Allerdings erst 2020. mehr »