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Deutscher Krebskongress

Prävention bleibt ein mühsames Geschäft

Ob in der Arbeitsmedizin, in der Änderung von Verhaltensweisen oder der Wahrnehmung von Vorsorgeangeboten – überall ist Nachhilfe nötig.

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Prävention zur Risikominimierung: Doch rund die Hälfte der Bevölkerung versteht das Gesundheitssystem nicht und damit auch nicht die Präventionsangebote.

Prävention zur Risikominimierung: Doch rund die Hälfte der Bevölkerung versteht das Gesundheitssystem nicht und damit auch nicht die Präventionsangebote.

© stnazkul / stock.adobe.com

BERLIN. Die Bedeutung der Arbeitsmedizin in der Prävention ist unterbelichtet. Obwohl die Arbeitswelt mit rund 44 Millionen Beschäftigten das größte Setting in Deutschland darstellt, gelingen selbst einfache präventive Maßnahmen wie Gesundheitsuntersuchungen und Impfungen nur in Ansätzen. Darauf hat Thomas Nesseler von der Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin am Mittwoch beim Deutschen Krebskongress verwiesen. Es gibt jedoch Hoffnung. Die Gesellschaft verhandelt derzeit mit der Barmer einen Impfvertrag, der auch Betriebsärzten offen stehen soll. Teil der Vereinbarung seien auch Abrechnungsmodalitäten, die auch große Impfzahlen, wie sie in den Betrieben üblich sein können, organisieren können, sagte Nesseler. Die Betriebsärzte könnten zudem helfen, die Grenzen zwischen den Sozialgesetzbüchern durchlässiger zu machen, wenn man sie zu Lotsen im Gestrüpp von Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention aufbauen würde.

Das Präventionsgesetz von 2015 umzusetzen, ist offenbar ein zäher Prozess. Das wurde bei der Veranstaltung "Krebsprävention – Neue Konzepte" deutlich. Verhaltensprävention könne im Kampf gegen den Krebs mehr bewirken als die meisten therapeutischen Maßnahmen, sagte Benjamin Barnes vom Robert-Koch-Institut (RKI). Dafür präsentierte er Belege. Die Lungenkrebsinzidenz in Deutschland korreliere mit dem Tabakkonsum. Bei Männern nehme sie ab, bei den seit einigen Jahren häufiger zum Glimmstängel greifenden Frauen wachse sie, sagte Barnes. Der Staat könne zu Präventionserfolgen beitragen. Die Anhebung der Tabaksteuer halte nachweislich Jugendliche davon ab, mit dem Rauchen zu beginnen. Ein Tabakwerbeverbot hat es auch dieses Mal wieder nicht in den aktuellen Koalitionsvertrag von Union und SPD geschafft.

Rund die Hälfte der Bevölkerung versteht das Gesundheitssystem nicht und damit auch nicht die Präventionsangebote. Das Internet soll helfen, um Präventionsangebote an den Mann, an die Frau zu bringen. Darauf arbeitet das Bündnis Krebsprävention in Nordrhein-Westfalen hin. Beteiligt sind die Krebsgesellschaft, die Krankenkassen und die Unfallversicherung. Es gelte, Angebote und Werkzeuge für verschiedene Lebenswelten zu entwickeln, um die Menschen in Nordrhein-Westfalen zu befähigen, Verantwortung in der Krebsprävention zu übernehmen und damit die Gesundheitskompetenz zu stärken sagte Irina Brieden von der Krebsgesellschaft in NRW.

Prävention könne immer nur bedingt wirken, sagte Dirk Pisula von der AOK Nordwest. Nach wie vor gingen nur die Hälfte der Frauen und noch weniger Männer zur Krebsvorsorge. Einer Umfrage zufolge war 70 Prozent der Befragten nicht bekannt, dass sie ihre Haut selbst auf auffällige Veränderungen hin untersuchen können. (af)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Stiefkind Krebsvorsorge?

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